Israelische und libanesische Regierungsvertreter treffen sich an diesem Dienstag in Rom zu direkten politischen Gesprächen. Im Mittelpunkt steht die weitere Umsetzung des Sicherheitsabkommens zwischen beiden Ländern. Nach Angaben libanesischer Regierungskreise soll das unterirdische Tunnelsystem der Hisbollah ein zentrales Thema sein.
Schwere Zerstörungen am Wochenende
Erst am vergangenen Wochenende führte das israelische Militär eine der schwersten Zerstörungswellen seit Beginn der Waffenruhe im Juni durch. In mehreren Orten im Südlibanon gab es Sprengungen und gezielte Zerstörungen, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Augenzeugen berichten von massiven Explosionen, unter anderem in der Nähe der historischen Kreuzfahrerburg Beaufort.
Die Hisbollah hat über Jahrzehnte eine umfangreiche unterirdische Militärstruktur aufgebaut, die Israel als ernsthafte Bedrohung betrachtet. Das Tunnelnetzwerk der von Iran unterstützten Schiitenmiliz umfasst Kommandozentralen, Waffenlager, Abschusspositionen, Versorgungskorridore und geschützte Verbindungswege. Diese ermöglichen es den Kämpfern, sich unbemerkt unter der Erde zu bewegen.
Experte: Tunnel sind „äußerst wichtiger“ Bestandteil
Der Libanon-Experte Nicolas Blanford von der Denkfabrik Atlantic Council in Washington bezeichnete die Tunnel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur als „äußerst wichtigen“ Bestandteil der militärischen Infrastruktur der Hisbollah. Das Tunnelsystem erstrecke sich über mehrere Landesteile bis in den nördlichen Teil der Bekaa-Ebene, sei jedoch nicht landesweit miteinander verbunden.
Das israelische Militär zerstört seit Jahren immer wieder Tunnel der Hisbollah im Libanon, darunter auch einige, die bis nach Israel reichten. Zuletzt zerstörte Israels Armee eigenen Angaben zufolge einen Tunnel im Gebiet der Burg Beaufort. Dabei kamen rund 700 Tonnen Sprengstoff zum Einsatz. Die Burg selbst habe keinen Schaden genommen, teilten israelische und libanesische Stellen mit. Die libanesische Nachrichtenagentur berichtete jedoch, dass ein 1.200 Meter langes Gebiet vom südlichen Ende der Burg „vollständig verwüstet“ worden sei.
Erste direkte Gespräche seit Jahrzehnten
Seit Mitte April führen die libanesische und die israelische Regierung erstmals seit Jahrzehnten wieder direkte politische Gespräche. Diplomatische Beziehungen bestehen zwischen den beiden Nachbarstaaten nicht. Die Gespräche werden von den USA vermittelt. Die Hisbollah nimmt daran nicht teil.
Trotz der Waffenruhe ist das israelische Militär weiterhin im Südlibanon stationiert und führt auch weiterhin Luftangriffe durch. Die Hisbollah hat seit Beginn der Waffenruhe keine Angriffe mehr gegen Israel unternommen. Das jüngste Rahmenabkommen sieht den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon sowie eine Entwaffnung der Hisbollah durch die libanesische Armee vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt.
Israel macht seine verbliebene Militärpräsenz von Fortschritten bei der Entwaffnung der Hisbollah abhängig. Die Hisbollah wiederum macht ihre Kooperation von einem israelischen Abzug abhängig. Die libanesische Regierung hat nur begrenzte Möglichkeiten, die israelischen Forderungen umzusetzen. Die libanesischen Streitkräfte gelten als deutlich schwächer als die Hisbollah. Zudem will die Regierung innenpolitische Spannungen vermeiden, falls sie mit Gewalt gegen die Miliz vorgehen müsste.



