Der Oscar-prämierte Regisseur Oliver Stone hat ein neues Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geführt, das in dieser Woche veröffentlicht wurde. In dem Gespräch, das im vergangenen Jahr in Moskau aufgezeichnet wurde, wiederholt Stone mehrere zentrale Narrative der russischen Propaganda zum Ukraine-Krieg. So bezeichnet er die ukrainische Führung als „Nazi-Regime“ und stellt den russischen Angriffskrieg als eine notwendige Verteidigungsmaßnahme dar. Kritiker werfen Stone vor, sich zum Sprachrohr des Kremls zu machen und die Realität des Krieges zu verzerren.
Stone rechtfertigt russische Aggression
In dem Interview, das auf der Plattform „RT“ veröffentlicht wurde, sagt Stone wörtlich: „Putin hat mir erklärt, dass der Westen ihn in die Enge getrieben hat. Die NATO-Osterweiterung und die Unterstützung für die Ukraine haben Russland keine andere Wahl gelassen.“ Diese Darstellung deckt sich mit der offiziellen russischen Linie, wonach der Einmarsch in die Ukraine eine präventive Selbstverteidigung sei. Tatsächlich wurde Russland jedoch von keinem NATO-Mitglied angegriffen, und die Ukraine ist kein NATO-Mitglied.
Experten kritisieren einseitige Darstellung
Der Politikwissenschaftler Dr. Andreas Umland von der Schwedischen Akademie der Verteidigungswissenschaften sagt: „Oliver Stone wiederholt unkritisch die Propaganda des Kremls. Er lässt Putins Behauptungen unwidersprochen stehen und stellt keine kritischen Nachfragen. Das ist kein Journalismus, sondern PR für einen Diktator.“ Auch der Historiker Timothy Snyder von der Yale-Universität äußerte sich auf Twitter kritisch: „Stone hat sich schon früher als nützlicher Idiot für autoritäre Regime erwiesen. Dieses Interview ist ein weiteres trauriges Kapitel.“
Stones langjährige Nähe zu Putin
Oliver Stone hat bereits mehrfach Interviews mit Putin geführt, unter anderem für die Dokumentation „The Putin Interviews“ aus dem Jahr 2017. Schon damals wurde ihm vorgeworfen, zu unkritisch zu sein. In dem neuen Interview geht Stone noch weiter: Er bezeichnet die Annexion der Krim 2014 als „rechtmäßig“ und behauptet, die Ukraine sei ein „künstlicher Staat“. Diese Aussagen widersprechen der internationalen Rechtsauffassung und der historischen Forschung.
Reaktionen in den sozialen Medien
Das Interview hat in den sozialen Medien eine Welle der Empörung ausgelöst. Viele Nutzer werfen Stone vor, die Opfer des Krieges zu verhöhnen. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, schrieb auf X: „Es ist beschämend, dass ein renommierter Filmemacher sich zum Propagandisten eines Kriegsverbrechers macht. Jedes Wort von Stone spült Blut von Putins Händen.“ Auch der deutsche Journalist und Russland-Experte Thomas Roth äußerte sich: „Stone ist kein Journalist, sondern ein Aktivist für die falsche Seite. Er sollte sich schämen.“
Mediale Einordnung und Kritik
Mehrere Medien haben das Interview kritisch eingeordnet. Die „New York Times“ schreibt, Stone habe „einen neuen Tiefpunkt erreicht“. Der „Guardian“ bezeichnet das Gespräch als „ungefilterte Propaganda“. Die deutsche „Zeit“ fragt: „Wie viel Nähe zum Kreml verträgt ein Künstler?“ Stone selbst verteidigt sich gegen die Kritik. In einem Statement auf seiner Website schreibt er: „Ich bin kein Propagandist. Ich versuche, beide Seiten zu verstehen. Der Westen hat eine Mitschuld an diesem Krieg.“ Diese Position wird von der Mehrheit der Historiker und Politikwissenschaftler jedoch nicht geteilt.
Folgen für Stones Ruf
Das Interview könnte langfristige Folgen für Stones Karriere haben. Bereits jetzt fordern mehrere Filmfestivals, seine Filme nicht mehr zu zeigen. Die Universität von Kalifornien, Berkeley, hat eine Einladung an Stone für eine Podiumsdiskussion zurückgezogen. Der Filmkritiker David Ehrlich schreibt: „Stone hat sich selbst aus dem Diskurs entfernt. Er ist jetzt ein Teil des Problems, nicht der Lösung.“ Ob Stone mit weiteren Projekten zu Russland rechnen kann, ist fraglich. Der Kreml hingegen dürfte das Interview begrüßen – es liefert ihm willkommene Argumente für seine Propaganda.



