Russland hat den scheidenden deutschen Botschafter Alexander Graf Lambsdorff am Montag ins Außenministerium einbestellt. Anlass war ein kritisches Instagram-Video der deutschen Botschaft zur Benzinkrise in Russland. Die russische Seite verglich die Öffentlichkeitsarbeit der Botschaft mit nationalsozialistischer Propaganda.
Einbestellung wegen Instagram-Video
Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die Einbestellung erfolgte wegen eines viralen Videos der deutschen Botschaft in Moskau. Darin wird Russland aufgefordert, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. „Dies entspricht der bekannten Position der Bundesregierung und einer gängigen Forderung Deutschlands und der EU gegenüber Russland“, so das Auswärtige Amt.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, habe Lambsdorff gegenüber kritisiert, dass die Botschaft auf „schmerzliche Probleme“ der russischen Bevölkerung hinweise. Die deutsche Seite wies die Vorwürfe zurück.
Russland wirft Nazipropaganda vor
Das russische Außenministerium stellte den Vorgang anders dar. In einer Stellungnahme hieß es, man habe Lambsdorff mitgeteilt, Deutschland sei an „Terroranschlägen“ der Ukraine auf russische Zivilinfrastruktur beteiligt. Die zunehmende militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine sei unzulässig.
Zudem werde die Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Botschaft „in den Stil der schlimmsten Praktiken der nationalsozialistischen Propaganda“ abgleiten. Das konkrete Video wurde dabei nicht erwähnt.
Deutsche Botschaft zeigt sich unbeeindruckt
Das Auswärtige Amt ließ sich nicht einschüchtern. „Der Versuch, sachlich zutreffende Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Botschaft zu unterbinden, läuft ins Leere“, hieß es aus der Botschaft in Moskau. „Die Botschaft wird sich auch weiterhin für ein Ende des schrecklichen Angriffskrieges gegen die Ukraine aussprechen und seine Folgen thematisieren.“
Das russische Außenministerium schloss seine Stellungnahme mit der Bemerkung, man registriere Lambsdorffs Abschied „nicht ohne Genugtuung“.
Hintergrund: Benzinkrise und fünfte Einbestellung
Das Video der Botschaft thematisierte die Benzinkrise in Russland, die durch ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien ausgelöst wurde. Die Treibstoffknappheit betrifft auch Moskau, wie SPIEGEL-Reporter berichteten.
Für Lambsdorff war es die fünfte Einbestellung in drei Jahren. Er hatte den Posten in Moskau im August 2023 übernommen und wird nun Botschafter in Israel, als Nachfolger von Steffen Seibert.



