Ukraine-Krieg: Russland baut LNG-Schattenflotte aus, Selenskyj entlässt Botschafterin
Ukraine: Russland baut LNG-Schattenflotte aus, Selenskyj entlässt Botschafterin

Russland hat seine Schattenflotte für den Transport von Flüssigerdgas (LNG) im Vorfeld des EU-Verbots von russischem Erdgas ab 2027 deutlich ausgebaut. Wie die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf Daten des Schifffahrtsdatenunternehmens Windward berichtet, hat Moskau im vergangenen halben Jahr mindestens acht gebrauchte Tanker gekauft und zwei weitere in Russland neu gebaut. Damit steigt die Flottenstärke auf insgesamt 25 Schiffe an. Diese Entwicklung ermöglicht es Russland, auch nach 2027 weiterhin Erdgas in die Europäische Union zu liefern, obwohl ein Einfuhrverbot geplant ist.

Hintergrund der Schattenflotte

Die Vergrößerung der LNG-Flotte folgt einem Muster, das bereits bei der Öltanker-Schattenflotte Russlands zu beobachten ist. Diese umfasst nach Schätzungen bereits mehr als 1000 Schiffe, die außerhalb westlicher Versicherungen und Vorschriften operieren. LNG-Tanker sind jedoch deutlich komplexer als Öltanker, da sie spezielle Infrastruktur für die Kühlung des Erdgases benötigen, um es in flüssigem Zustand zu halten. Daher wächst die LNG-Schattenflotte langsamer als die für den Öltransport.

Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine und Russland weiterhin militärische Angriffe auf Schiffe und Infrastruktur im Schwarzen Meer und in den Küstenregionen durchführen. Die Türkei hat beide Länder aufgefordert, die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer zu gewährleisten, nachdem ein türkisches Schiff in der Nähe von Noworossijsk von einer Drohne angegriffen wurde, wobei drei Besatzungsmitglieder schwer verletzt wurden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Personelle Veränderungen in der Ukraine

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, von ihrem Amt entbunden. Das Präsidialamt in Kiew veröffentlichte den entsprechenden Erlass. Stefanischyna, die zuvor Vizeministerpräsidentin war, erklärte auf Facebook, sie habe selbst um ihre Entlassung gebeten. Medienberichten zufolge hatte Selenskyj Mitte Juli eine Regierungsumbildung eingeleitet, in deren Rahmen die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko als Nachfolgerin vorgesehen war, diese den Posten jedoch abgelehnt haben soll. Eine offizielle Nachfolgeregelung steht noch aus.

Parallel dazu plant Selenskyj, den Chefunterhändler Rustem Umjerow zum Chef des Auslandsgeheimdienstes zu ernennen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Ukraine meldet. Umjerow ist bislang maßgeblich an den von den USA unterstützten Gesprächen mit Russland beteiligt.

Militärische Angriffe und Gegenangriffe

In der Nacht zum 4. August meldeten die russischen Streitkräfte, 320 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört zu haben, die 19 Regionen betrafen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Region Moskau wurden nach russischen Angaben fünf Menschen getötet und sechs verletzt, wie Gouverneur Andrej Worobjow auf Telegram mitteilte. Ein Lagerhaus geriet in Brand, konnte aber gelöscht werden.

In der Nähe von St. Petersburg wurde ein Lagerhaus des Lebensmittelhändlers Lenta durch eine Drohne getroffen, wobei eine Person verletzt wurde. Auch das Lager des Online-Händlers Wildberries in der Region Twer wurde beschädigt, wobei nach Angaben von Gouverneur Vitali Koroljow niemand verletzt wurde. Die Ukraine hat seit dem 18. Juli mindestens ein Dutzend Wildberries-Lager angegriffen und begründet dies mit der angeblichen Nutzung durch das russische Militär. Finnland hat als Reaktion auf den jüngsten Angriff eine vorübergehende Flugverbotszone im östlichen Finnischen Meerbusen eingerichtet.

Russlands Angriffe auf Frachtschiffe

Russland hat nach eigenen Angaben sieben Frachtschiffe mit Drohnen angegriffen, die im ukrainischen Hafen von Mykolajiw lagen oder im Schwarzen Meer unterwegs waren. Das Verteidigungsministerium in Moskau begründet solche Angriffe wiederholt mit dem Transport von Rüstungsgütern für das ukrainische Militär. Unabhängige Überprüfungen dieser Behauptungen sind nicht möglich.

In der Nähe von Noworossijsk wurde der Frachter „Nadezhda“ auf dem Weg in die Türkei angegriffen, wobei drei Besatzungsmitglieder schwer verletzt wurden. Die türkische Schifffahrtsbehörde meldete, dass ein Feuer im Bug des Schiffes weiterhin brenne. Die Verantwortlichkeit für den Angriff blieb zunächst unklar.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die zunehmenden Angriffe im Schwarzen Meer haben die Frachtraten für russisches Rohöl der Sorte Urals auf Transporten nach Indien seit Mitte Juli um etwa 50 Prozent steigen lassen, wie Händler berichten. Dies könnte die Einnahmen Moskaus aus dem Ölexport um rund fünf Dollar pro Barrel oder mehr schmälern, wie Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters ergeben. Höhere weltweite Schifffahrtskosten und Sicherheitsrisiken halten Reeder davon ab, russische Häfen anzulaufen.

Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, der heute Botschafter in Großbritannien ist, äußerte sich pessimistisch über einen Nato-Beitritt der Ukraine. „Leider werden wir niemals wirklich beitreten“, sagte er laut „Evropeiska Pravda“ bei einem Treffen ukrainischer Botschafter. Er begründete dies mit fehlenden militärischen Standards und Technologien wie Raketenabwehr und Weltraumfähigkeiten.

Diplomatische Initiativen und Hoffnungen

Präsident Selenskyj hofft, Russland bis zum Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. Bei einem Treffen mit ukrainischen Botschaftern in Kiew sagte er, Drohnenangriffe, Sanktionen und diplomatische Anstrengungen müssten zusammenwirken, um Russland keine Alternative zu einem Frieden zu lassen. Gleichzeitig bereitet er sich auf einen weiteren Kriegswinter vor und forderte die Diplomaten auf, Waffen und technische Unterstützung zu organisieren. „Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben“, sagte er.

Die ukrainische Drohnen-Technologie hat laut Selenskyj bereits Abkommen über militärische Zusammenarbeit mit neun Ländern ermöglicht, mit 15 weiteren wird verhandelt. Diese Vereinbarungen sichern langfristige Finanzmittel für die ukrainische Rüstungsindustrie.

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin ist nach vorübergehender Festnahme nach Paris geflohen. Er kündigte an, seine Pläne später mitzuteilen. Zuvor hatte er seinen Kampf um die Teilnahme an der Parlamentswahl im September aufgegeben.