Ukraine versenkt russisches Frachtschiff der Atombehörde Rosatom
Ukraine versenkt russisches Rosatom-Frachtschiff

Die Ukraine hat ein Containerschiff der russischen Atombehörde Rosatom im Schwarzen Meer versenkt. Das von der Rosatom-Tochter Fesco betriebene Schiff „Yanina“ wurde nach Angaben der Behörde nahe dem russischen Hafen Noworossijsk von mindestens zwei ukrainischen Seedrohnen getroffen. Die 17-köpfige Besatzung musste das Schiff verlassen. Nach dem Trackingdienst „Marine Traffic“ war das Schiff auf dem Weg von Indien nach Russland und hatte zuletzt südlich der von Russland völkerrechtswidrig besetzten ukrainischen Halbinsel Krim geortet.

Laut Rosatom transportierte der Frachter zivile Güter, darunter Tiefkühlwaren und Baumaterialien. Rosatom-Chef Alexej Lichatschew verurteilte den Angriff als „Piraterie und Raub auf See“. Es gebe keine Hinweise, dass das Schiff nukleares Material an Bord gehabt oder im Zusammenhang mit Atomaktivitäten gestanden habe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf Telegram die Versenkung des sanktionierten Schiffs mit einer Kapazität von mehr als 100.000 Tonnen und erklärte, auch weitere Ziele im Schwarzen und Asowschen Meer seien getroffen worden. Zudem seien die Infrastruktur von drei russischen Ölraffinerien in der Region Baschkortostan angegriffen worden, rund 1600 Kilometer von der Grenze entfernt. In der Nacht hätten russische Luftabwehrsysteme nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin vier Drohnen über der Hauptstadt zerstört.

Massiver Raketenangriff auf Kyjiw

Nur wenige Stunden vor der Versenkung hatte Russland die ukrainische Hauptstadt Kyjiw mit einem massiven Raketenangriff überzogen. Selenskyj zufolge feuerte Russland insgesamt 35 Raketen und Marschflugkörper sowie 185 Drohnen ab, darunter 27 ballistische Raketen. Nur eine einzige ballistische Rakete sei abgefangen worden – nicht aus Mangel an Fähigkeiten, sondern schlicht „weil es keine Raketen für Patriot-Systeme gibt“, schrieb Selenskyj auf sozialen Medien. Ballistische Raketen sind wegen ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwer abzuwehren; moderne Patriot-Systeme gelten als einzig wirklich wirksames Mittel.

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Allein in Kyjiw kamen nach Behördenangaben mindestens neun Menschen ums Leben, mehr als 30 wurden verletzt. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von Schäden in mehreren Bezirken: Wohnhäuser, Gewerbegebäude und Autos seien getroffen worden. Ein fünfstöckiges Wohnhaus wurde durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt, in dem Haus seien Menschen eingeschlossen. Nach Angaben Selenskyjs wurden insgesamt 18 Häuser, eine Schule, die litauische Botschaft und Infrastruktureinrichtungen in Kyjiw beschädigt. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mehr als zehn Explosionen hintereinander.

Der Präsident appellierte erneut an die internationalen Partner: „Mittel zur Flugabwehr werden nicht in Lagern für hypothetische Szenarien gebraucht, sondern jetzt in der Ukraine.“ Auch andere Regionen wie Dnipropetrowsk, Sumy, Charkiw und Poltawa seien attackiert worden. Russland meldete unterdessen die Einnahme zweier weiterer ukrainischer Dörfer: Olgiwka in der Region Charkiw und Ljubytske in der Region Saporischschja, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichtete.

Weitere Entwicklungen im Ukraine-Krieg

In Moskau ist in der berühmten Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz ein Feuer ausgebrochen. Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete, der Brand sei gelöscht worden, verletzt wurde niemand. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge im Büro des Direktors, wo „persönliche Gegenstände und Möbel“ in Brand geraten waren.

In Kyjiw haben erneut Tausende Menschen für die Wiedereinsetzung des entlassenen Verteidigungsministers Mychailo Fedorow demonstriert. Sie zogen durch die Innenstadt und skandierten „Holt ihn zurück!“. Die 38-jährige Demonstrantin Iryna Tkatschuk sagte: „Wir wollen, dass ein fähiger Manager zurückkehrt.“ Sie trug ein Schild mit der Aufschrift „Ist die alte Dame taub?“ – eine Anspielung auf Präsident Selenskyj. Fedorow war nach nur sechs Monaten im Amt im Zuge einer Regierungsumbildung abgelöst worden; viele Ukrainer schätzten ihn als Reformer, der die Armee modernisierte und die Drohnenangriffe auf Russland ausweitete.

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Ein Moskauer Gericht hat unterdessen einen Haftbefehl gegen Schanna Nemzowa, die Tochter des vor elf Jahren ermordeten Putin-Kritikers Boris Nemzow, erlassen. Ihr wird die Beteiligung an einer in Russland als „unerwünscht“ eingestuften Organisation vorgeworfen – der von ihr mitgegründeten Boris-Nemzow-Stiftung in Bonn. Nemzowa reagierte ironisch auf Facebook: „Ich bin jetzt berühmt.“ Sie war am Freitag nach Deutschland gereist.

US-Präsident Donald Trump hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Lizenz für die Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine geäußert. „Diese Waffen sind unglaublich. Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir jemandem erlauben, sie zu bauen“, sagte Trump bei einer Kabinettssitzung in Camp David. Selenskyj hatte bei seinem Besuch im Weißen Haus um solche Lizenzen gebeten; Trump hatte im Juli noch eine Produktion angekündigt, sich inzwischen aber bedeckt gehalten.

Polen hat nach dem Einschlag eines russischen Marschflugkörpers auf polnischem Gebiet den russischen Botschafter einbestellt. Die Staatsanwaltschaft in Lublin teilte mit, ein aus der Ukraine angereister Experte habe „nicht den geringsten Zweifel“ an der russischen Herkunft des Geschosses. Zudem hat die polnische Luftwaffe erneut ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Il-20 über der Ostsee abgefangen; es flog ohne Flugplan und mit ausgeschaltetem Transponder.

Frankreich hat die Vermögenswerte der russischen Journalistin Xenia Fedorova für sechs Monate eingefroren, die als Sprachrohr von Kreml-Chef Wladimir Putin gilt. Die Regierung wirft ihr Propaganda vor; Präsident Emmanuel Macron hatte sie im Juni als „Propaganda-Agentin“ bezeichnet. Fedorova steht unter Hausarrest und muss sich täglich bei der Polizei melden. Sie prangerte „politischen Druck“ an und sprach von einem Versuch, Meinungen zu zensieren.

Der ukrainische Präsidentenberater Serhij Beskrestnow sieht den Krieg in einer „Phase der Erschöpfung“. Die Frontlinien bewegten sich kaum noch, stattdessen konzentrierten sich beide Seiten auf die Zerstörung der Infrastruktur des Gegners. Beide Staaten würden mit schweren Verlusten und geschwächten Volkswirtschaften aus dem Krieg hervorgehen, prognostizierte er auf Facebook.

Die russische Getreidelobby warnt vor einer vollständigen Blockade der Getreideexporte über das Schwarze Meer infolge ukrainischer Drohnenangriffe. Dies könnte zu einem Ausfall von 30 bis 35 Millionen Tonnen Weizen führen und die Preise weltweit in die Höhe treiben, was den Hunger in Afrika und im Nahen Osten verschärfen würde. Auf der von Russland annektierten Krim hat sich die Treibstoffversorgung nach wochenlangen Engpässen zwar gebessert, doch Tankstellen geben weiterhin nur maximal 20 bis 40 Liter ab; die Preise liegen dreimal so hoch wie in Moskau.