Nach dem 2:1-Sieg gegen England im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sorgten argentinische Spieler für einen politischen Eklat. Während der Siegesfeier auf dem Platz entrollten sie ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ („Die Malwinen sind argentinisch“) und bezogen damit Stellung im jahrzehntelangen Streit um die Falklandinseln.
Hintergrund des Konflikts um die Falklandinseln
Der Falklandkrieg zwischen Argentinien und Großbritannien im Jahr 1982 endete mit einer Niederlage Argentiniens. Die Inseln, die in Großbritannien als Falklandinseln und in Argentinien als Islas Malvinas bezeichnet werden, sind bis heute umstritten. Wolfgang Muno, Argentinien-Experte von der Universität Rostock, erklärte dem Tagesspiegel: „In der Region Patagonien, weniger als 1000 Kilometer von den Falklandinseln entfernt, ist der Anspruch auf die Malvinas im öffentlichen Raum sehr sichtbar.“
Politische Aufladung vor dem Spiel
Bereits vor der Partie hatte Argentiniens Vizepräsidentin Victoria Villarruel die Stimmung angeheizt, indem sie die Engländer als „Piraten“ bezeichnete. Ihr Vater hatte im Falklandkrieg für die argentinische Militärdiktatur gekämpft. Veteranen des Krieges riefen zur Deeskalation auf und betonten in einem Brief: „Sport ist kein Krieg: Das Halbfinalspiel ist ein Sportereignis von weltweiter Tragweite, keine bewaffnete Revanche und keine historische Kompensation.“
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni hatte versucht, die politische Spannung zu nehmen, und sagte: „Es ist ein Fußballspiel, ganz einfach. Das mit Politik zu vermischen, wäre Wahnsinn.“ Dennoch kam es nun zur politischen Aktion auf dem Platz.
Spieler rechtfertigen das Banner
Mittelfeldspieler Leandro Paredes sagte nach dem Spiel: „Sie werden immer argentinisch sein. Wir waren uns bewusst, was dieses Spiel für dieses Land bedeutete. Wir haben versucht, unser Land und all jene, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte miterlebt haben, zu repräsentieren, damit sie sich mit uns identifizieren und wir ein positives Bild vermitteln konnten.“
Fifa-Regeln und mögliche Strafen
Die Fifa verbietet politische Äußerungen während der WM-Spiele. Dem argentinischen Verband drohen Geldstrafen, theoretisch sind sogar Sperren für die beteiligten Spieler möglich. Es bleibt abzuwarten, wie der Weltverband auf das politische Statement reagiert.
Im Turnierverlauf gab es immer wieder Spekulationen, dass der Fifa eine Titelverteidigung Argentiniens gelegen käme. KI-generierte Memes von Fifa-Präsident Gianni Infantino und Lionel Messi sind weit verbreitet. Messi ist seit 2023 Botschafter Saudi-Arabiens, das die WM 2034 ausrichten wird. Der südamerikanische Verband Conmebol hat Infantino bereits Rückhalt für seine Wiederwahl 2027 zugesichert.
Umstrittene Schiedsrichterentscheidungen
Mehrere Schiedsrichterentscheidungen während des Turniers nährten die Spekulationen. Im ersten Spiel gegen Algerien erzielte Messi alle drei Tore, hätte aber nach einem rüden Foul eine Rote Karte sehen können. Gegen Österreich blieb ein Foul vor dem 1:0 ungeahndet, und im Spiel gegen Ägypten überprüfte der VAR einen möglichen Elfmeter für den Gegner nicht. Argentinien kassierte in sieben Spielen nur acht Gelbe Karten, was angesichts des teils harten Spielstils überrascht.
Der Skandal um US-Stürmer Folarin Balogun, der nach einer Roten Karte im Achtelfinale dank einer Intervention von Präsident Donald Trump spielen durfte, erschütterte das Ansehen der Fifa und Infantinos zusätzlich.
Es erscheint unwahrscheinlich, dass der amtierende Weltmeister ausgerechnet vor dem Finale der XXL-WM bestraft wird, in dem erstmals eine pompöse Halbzeitshow geplant ist. Das Finale findet am Sonntag in East Rutherford gegen Spanien statt (21 Uhr MEZ, ZDF und Magenta TV).



