ICE-Tote in Texas und Maine: Trump gerät nach tödlichen Einsätzen in Erklärungsnot
ICE-Tote in Texas und Maine: Trump in Erklärungsnot

Zwei neue tödliche Einsätze der US-Einwanderungspolizei ICE in Texas und Maine haben eine alte Frage wieder aufgeworfen: Ist die Behörde selbst zum Risiko geworden? In Houston starb der 52-jährige Hausbauer Lorenzo Salgado Araujo, in Biddeford der 26-jährige Kolumbianer Joan Sebastian Guerrero. Beide standen nicht auf der Fahndungsliste von ICE, wie das Heimatschutzministerium einräumte.

Ähnliches Muster wie in Minnesota

Die Fälle ähneln dem Tod von Renée Good und Alex Pretti in Minnesota, wo maskierte ICE-Agenten im April auf ein Fahrzeug schossen. Damals musste Heimatschutzministerin Kristi Noem zurücktreten. Ihr Nachfolger Markwayne Mullin versprach Ordnung und weniger Spektakel. Nun steht auch er vor zwei Leichen. In beiden neuen Fällen heißt es aus dem Umfeld der Behörde, die Opfer hätten ihr Auto als Waffe gegen ICE-Beamte eingesetzt. Bodycam-Bilder oder Videoaufnahmen, die dies belegen, gibt es nicht – weil die beteiligten Beamten keine Bodycams trugen.

Widersprüchliche Aussagen in Houston

In Houston stoppten Agenten den Lieferwagen von Salgado Araujo. Das Heimatschutzministerium behauptet, er habe sein Fahrzeug „weaponized“ und versucht, einen Beamten zu überfahren. Deshalb habe ein Agent in Notwehr geschossen. Die drei Insassen des Vans erzählen laut ihrem Anwalt Hugo Balderas Ibarra eine völlig andere Geschichte: Kein Beamter habe vor dem Fahrzeug gestanden, niemand sei in der direkten Fahrlinie gewesen. Die Agenten hätten von der Seite geschossen. „Das ist schlicht falsch“, sagte Balderas Ibarra. Die Abgeordnete Sylvia Garcia erklärte, Zeugenaussagen und Behördenversion lägen „wie Tag und Nacht“ auseinander. Der zuständige Bezirksstaatsanwalt Sean Teare beklagte, die Bundesregierung arbeite nicht mit seinen Ermittlern zusammen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Biddeford: Opfer nicht Ziel der Aktion

Sechs Tage später, am Montag dieser Woche, erschossen ICE-Beamte in Biddeford, Maine, den 26-jährigen Joan Sebastian Guerrero, einen Kolumbianer mit Arbeitserlaubnis und Sozialversicherungsnummer, Ehemann und Vater einer dreijährigen Tochter. Zunächst entstand der Eindruck, Guerrero sei Ziel der Maßnahme gewesen. Dann teilte das Büro von Senator Angus King mit, Heimatschutzminister Mullin habe klargestellt: Der Getötete war nicht der Gesuchte. ICE erklärte, Beamte hätten eine Adresse überwacht, die mit einer Abschiebungsanordnung verbunden gewesen sei. Ein Mann sei weggefahren, habe zu fliehen versucht, „aus Sorge um die öffentliche Sicherheit“ habe ein Beamter morgens um 7 Uhr geschossen. Ein Zeuge filmte Teile der Szene. Lokale Berichte zeigen einen Kia mit Einschusslöchern in der Windschutzscheibe. Was fehlt, sind Kameraaufnahmen der Beamten selbst.

Bodycams: Versprechen nicht eingehalten

Das Fehlen dieser Bilder ist kein technisches Detail. Nach Good und Pretti versprach Noem Bodycams für Minneapolis und später eine Ausweitung. Trotzdem trugen die beteiligten Agenten in Houston nach DHS-Angaben keine Bodycams; für Biddeford gilt das Gleiche. Ein pensionierter Polizeiexperte in Washington sagte: „Wer schwer bewaffnete Teams in Wohnviertel schickt, aber die wichtigste Kontrolltechnik nicht durchsetzt, produziert Misstrauen mit Ansage. Natürlich können Autos Waffen sein. Natürlich geraten Beamte in Situationen, in denen Sekunden entscheiden. Aber gerade deshalb muss die Beweislage hart sein. Die Formel ‚er wollte uns überfahren‘ darf nicht zur Standardrettung nach jedem tödlichen Schuss werden. Wenn sie stimmt, müssen Bilder, Funkprotokolle, Einsatzpläne und Namen der Schützen auf den Tisch. Wenn sie nicht stimmt, ist der Verdacht berechtigt, dass eine Behörde zuerst schießt und dann die Fakten sortiert.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

ICE als politisches Werkzeug Trumps

ICE ist längst mehr als eine Polizeibehörde. Für Präsident Donald Trump ist es Werkzeug und Drohkulisse seiner Abschiebungspolitik, aufgeladen mit hohen zweistelligen Milliardensummen und hohen politischen Erwartungen. Kritiker sprechen von einer Deportationsmaschinerie, die schneller wächst als ihre Aufsicht. Der politische Druck wächst. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani sagte am Montag, ICE könne nicht reformiert werden, ICE müsse abgeschafft werden. Das ist eine radikale Forderung. Aber nach Houston und Biddeford klingt sie weniger wie ein linker Reflex als wie die härteste Antwort auf eine sehr reale Frage: Was tut ein Rechtsstaat eigentlich mit einer Behörde, die wiederholt Menschen tötet, die nicht gesucht wurden, und danach keine eigenen Bilder vorlegen kann?

Parallele zu Minnesota

Die Parallele zu Minnesota ist wichtig. Erst am Montag meldeten Staatsanwälte dort, dass sie nach monatelangem Ringen endlich Beweise zu Good und Pretti erhalten hätten: Bodycam-Material, Aussagen, Festplatten, Goods beschädigtes Fahrzeug. Hennepin-County-Staatsanwältin Mary Moriarty sagte, wenn die Regierung in irgendeiner Weise für den Tod eines Menschen verantwortlich sei, brauche es eine vollständige und gründliche Untersuchung. In Biddeford kamen am Abend Hunderte zu einer Trauer-Andacht für das Opfer zusammen. Eine Frage tauchte immer wieder auf: „Wie viele Tote braucht es, bis die Regierung in Washington einsieht, dass ICE zum Sicherheitsrisiko geworden ist?“