Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten hat die US-Regierung ihre Zollpolitik grundlegend neu ausgerichtet. Nachdem die bisherigen Pauschalzölle in Höhe von zehn Prozent in der Nacht zum Freitag ausgelaufen waren, verhängte der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer am Donnerstagabend (Ortszeit) neue Sonderabgaben gegen 60 Handelspartner. Die neuen Zölle ersetzen die bisherigen Abgaben ohne Übergangsfrist.
EU kommt besser davon als befürchtet
Für die Europäische Union fällt das Ergebnis offenbar besser aus als erwartet. Brüssel hatte zuvor befürchtet, Washington könnte die neuen Abgaben auf die bestehenden Zölle aufschlagen und damit die vereinbarte Obergrenze von 15 Prozent aufkündigen. Diese Befürchtung hat sich zunächst nicht bestätigt. Die EU bleibt vorerst unter der vereinbarten Grenze.
Die neuen Zölle richten sich gegen eine Vielzahl von Handelspartnern, darunter auch wichtige Verbündete der USA. Die genauen Sätze variieren je nach Land und Produktkategorie. Die US-Regierung begründet die Maßnahmen mit dem Schutz der heimischen Industrie und der Reduzierung des Handelsdefizits.
Hintergrund des Handelskonflikts
Der Handelskonflikt zwischen den USA und zahlreichen Ländern hatte sich in den vergangenen Monaten verschärft. Bereits im März 2026 hatte die US-Regierung pauschale Zölle von zehn Prozent auf Importe aus vielen Ländern verhängt. Diese waren nun ausgelaufen, ohne dass eine Einigung mit den betroffenen Partnern erzielt werden konnte.
Die neuen Abgaben treffen vor allem Länder mit großen Handelsüberschüssen gegenüber den USA. Die EU hatte zuletzt versucht, durch Verhandlungen eine Eskalation zu verhindern. „Wir bedauern die Entscheidung der US-Regierung, erneut einseitige Handelsbeschränkungen zu verhängen“, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission. „Die EU wird die Auswirkungen der neuen Zölle genau prüfen und angemessene Gegenmaßnahmen erwägen.“
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Ökonomen warnen vor negativen Folgen für die globale Konjunktur. Die neuen Zölle könnten Lieferketten stören und zu höheren Preisen für Verbraucher führen. Besonders betroffen sind Branchen wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Die US-Regierung hofft dagegen, dass die Maßnahmen die heimische Produktion stärken und Arbeitsplätze schaffen.
Die Ankündigung der neuen Zölle führte an den internationalen Finanzmärkten zu Verunsicherung. Der DAX gab am Freitagmorgen um rund zwei Prozent nach. Auch die asiatischen Börsen verzeichneten Verluste. Die US-Notenbank Fed hatte bereits in der Vergangenheit vor den Risiken eines eskalierenden Handelskonflikts gewarnt.
Reaktionen aus Deutschland und Europa
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich besorgt über die Entwicklung. „Die neuen US-Zölle sind ein Rückschlag für den freien Welthandel“, sagte Habeck. „Deutschland und Europa werden sich nicht einschüchtern lassen. Wir werden weiter auf Dialog und Verhandlungen setzen, aber auch unsere Interessen entschlossen verteidigen.“
Die deutsche Industrie reagierte alarmiert. „Die erneute Zollverschärfung trifft die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). „Wir appellieren an die US-Regierung, den Weg der Verhandlungen nicht zu verlassen.“
Ausblick: Wie geht es weiter?
Die EU-Kommission bereitet bereits mögliche Gegenmaßnahmen vor. Dazu könnten neue Zölle auf US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Motorräder oder landwirtschaftliche Erzeugnisse gehören. Auch eine Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) wird erwogen. Die US-Regierung zeigt sich bisher unbeeindruckt und droht mit weiteren Sanktionen, falls die EU Vergeltungsmaßnahmen ergreift.
Experten rechnen mit einer längeren Phase der Unsicherheit im transatlantischen Handel. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die USA und die EU doch noch zu einer Verhandlungslösung kommen oder ob der Konflikt weiter eskaliert.



