Die Zahl der Babyboomer in Altersrente ist auf rund 6 Millionen gestiegen, davon beziehen 1,1 Millionen eine vorzeitige Rente. Das geht aus einer neuen Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Insgesamt gab es 2024 rund 19,3 Millionen Babyboomer – Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge 1954 bis 1969.
Die beiden IW-Forscherinnen erwarten, dass die Inanspruchnahme der Frührente weiter zunimmt. 2023 bezogen erst 4,5 Millionen Babyboomer eine Altersrente, davon 0,9 Millionen vorzeitig. Ein Jahr später erreichte der Jahrgang 1958 das Renteneintrittsalter, was die Zahlen erhöhte.
Lücke zwischen Regelaltersgrenze und tatsächlichem Renteneintritt
Das IW erinnert an die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre bis 2031. 2024 lag sie bei 66 Jahren – zwölf Monate höher als 2012. Doch das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente stieg nur um acht Monate. Als Grund nennen die Expertinnen die Möglichkeiten des vorzeitigen Renteneintritts.
Wer 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, darf bis zu zwei Jahre früher ohne Abschläge in Rente gehen. Seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze 2023 können Frührentner zudem unbegrenzt hinzuverdienen. Diese Möglichkeit nutzen immer mehr Babyboomer.
Mehr als jeder zweite Babyboomer geht vorzeitig in Rente
Von den Babyboomern, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, ist mehr als jeder zweite Altersrentner vorzeitig in Rente gegangen. Das arbeitgebernahe Institut kommt zu dem Schluss: „Die Frührenten laufen dem ursprünglichen Ziel der Politik entgegen, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu verlängern.“
IW fordert Umsetzung der Rentenreform
Das IW lobt die Vorschläge der Rentenkommission der Bundesregierung. Dazu gehört, die Möglichkeit zum abschlagsfreien vorzeitigen Renteneintritt zu streichen. Das IW bezeichnet diese Pläne als „zentral, um das durchschnittliche Rentenzugangsalter zu erhöhen“. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas haben eine Umsetzung aller Kommissionsempfehlungen angekündigt, Gewerkschaften drohen mit Widerstand.
Das IW mahnt: „Wichtig ist, die Elemente zeitnah umzusetzen, um möglichst viele Babyboomer länger im Arbeitsmarkt zu halten und zu verhindern, dass die Wirkung durch Ausnahmen wieder abgeschwächt wird.“ Bis 2029 erreichen weitere 6,4 Millionen Menschen in Deutschland ihre Regelaltersgrenze.



