Ernteaussichten in Mecklenburg-Vorpommern: Durchschnittliche Erträge, aber große Sorgen
Die Ernte in Mecklenburg-Vorpommern fällt in diesem Jahr durchschnittlich aus. Je nach Niederschlagsmenge und Standort gebe es teils große regionale Unterschiede, sagte der Präsident des Bauernverbandes MV, Karsten Trunk, bei der traditionellen Ernte-Pressekonferenz in Sietow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). „Doch selbst dort, wo die Erträge stimmen, geht die Rechnung für viele Betriebe nicht mehr auf. Genau diese Entwicklung bereitet uns große Sorgen.“
Preisverfall bei Getreide bei gleichbleibend hohen Kosten
Sinkende Erzeugerpreise träfen auf andauernd hohe Produktionskosten, wobei häufigere Extremwetterlagen die Landwirtschaft gleichzeitig vor wachsende Herausforderungen stellten. Weizen werde aktuell bundesweit zwischen 170 und 200 Euro je Tonne gehandelt, Futtergerste für unter 160 Euro. Damit lägen die Getreidepreise erneut unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig blieben die Kosten für Dünger, Pflanzenschutz, Energie, Diesel und Löhne aber hoch. „Die Ernte stimmt vielerorts. Die Rechnung stimmt immer öfter nicht“, warnte Trunk.
Für die Betriebe gehe die Schere immer weiter auseinander. Wer dauerhaft unter seinen Produktionskosten wirtschaften müsse, könne weder investieren noch Rücklagen bilden. Das gefährde die Zukunft der Höfe in MV und damit langfristig auch die regionale Lebensmittelproduktion.
Bei Getreide wäre aus Sicht der Bauern ein Preis von 250 Euro je Tonne notwendig. Landwirt Jan-Hendrik Rust hat einen Großteil der Wintergerste bereits zu relativ guten Preisen im Frühjahr mit Verträgen abgesichert und verkauft. Allerdings muss der Verwalter der Agrargesellschaft Sietow nun warten, was die Ernte wirklich bringt.
Einkauf für die Aussaat 2027: Dünger bereits gekauft
„Die aktuellen Erzeugerpreise sind jedenfalls nicht ausreichend. Wir handeln das Produkt am Weltmarkt und müssen deshalb auch schauen, was in anderen Teilen der Welt los ist.“ Er verfolgt die Börsenpreise für Weizen und Raps täglich und die Düngerpreise wöchentlich. Ein Viertel des Düngers hat Rust schon für 2027 gekauft. Die Monate Mai und Juni seien die günstigen Kaufmonate. Allerdings muss man die Mittel haben, um solche Ausgaben auch vorzufinanzieren.
Auch Rust weist auf die deutlich gestiegenen Kosten für Treibstoffe, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Maschinen und Löhne hin. „Wir werden nachher erst sehen, was unter dem Strich übrig bleibt.“ In der Agrargesellschaft Sietow bewirtschaften vier Mitarbeiter und drei Erntehelfer 1.235 Hektar Ackerfläche und 148 Hektar Grünland.
Eine Frage der Ernährungssicherheit
Alle Flächen werden konventionell bewirtschaftet, das heißt es werden sowohl Mineraldüngemittel als auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Damit würden eine optimale Nährstoffversorgung und der Schutz vor Krankheitserregern und Schädlingen gewährleistet.
Der Bauernpräsident wies darauf hin, dass gedüngt werden müsse, denn die Pflanzen bräuchten Nahrung. „Wenn der Dünger 30 Prozent teurer geworden ist, bedeutet das nicht, dass ich 30 Prozent weniger düngen kann.“ Insgesamt gehe es auch um die wichtige Frage der Ernährungssicherheit.
In MV bleibt der Winterweizen mit rund 295.000 Hektar die wichtigste Anbaukultur des Landes, gefolgt von Winterraps und Wintergerste. Zuwächse verzeichnen den Angaben zufolge Futtererbsen und Ackerbohnen, während die Anbauflächen von Winterroggen, Triticale (Weizen-Roggen-Kreuzung) und Zuckerrüben weiter zurückgehen.
Weniger Pflanzenschutzmittel: Verlust von 80 Wirkstoffen
Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die den Ernteertrag sichern helfen, sind die Grenzen deutlich strikter geworden. Sowohl bei Herbiziden als auch bei Insektiziden seien in den letzten Jahren rund 80 Wirkstoffe verloren gegangen und kein einziger dazu gekommen, kritisierte Trunk. Im Werkzeugkasten, den die Landwirte für den Erhalt der Bestände bräuchten, seien wesentliche Werkzeuge nicht mehr vorhanden.
Kohlschotenmücke und Rapserdfloh setzen Raps zu
Eine Folge davon lässt sich derzeit beim Raps feststellen, der als nächste Anbaupflanze in den Ernteprozess kommt. „Von außen sehen die Bestände oftmals gut aus. Bricht man eine Schote auf, findet man unzählige Larven der Kohlschotenmücke“, beschreibt Rust die Situation. Auch der Rapserdfloh setzt den Pflanzen zu.
Zudem hatte der Winterraps in diesem Jahr mit Schneelasten, Eis und viel Schmelzwasser zu kämpfen. „Es könnte sein, dass Raps die Kultur ist, die in diesem Jahr die größte Enttäuschung bringt“, fürchtet Trunk. Gute Rapsernteergebnisse wie vier Tonnen je Hektar dürften wohl die Ausnahme sein. Dabei seien die Preise mit rund 500 Euro pro Tonne gut und lohnend. „Das kann man noch rechnen. Bei allen anderen Anbaukulturen sind die Preise 30 Prozent zu niedrig.“
Betriebsergebnis sinkt um 200 bis 300 Euro pro Hektar
Mit Blick auf die Gesamtrechnung geht der Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes MV, Martin Piehl, bei den Landwirten von einem Betriebsergebnis aus, das in diesem Jahr um etwa 200 bis 300 Euro niedriger sein wird als im Vorjahr. Notwendig seien politische Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Dazu gehörten wettbewerbsfähige Energiepreise, eine sichere Versorgung mit Düngemitteln, schnellere Zulassungsverfahren im Pflanzenschutz sowie einen spürbaren Abbau bürokratischer Vorgaben.



