Die finanzielle Belastung für Pflegeheimbewohner in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) ergab, stieg der durchschnittliche monatliche Eigenanteil im ersten Jahr im Heim zum 1. Juli auf 3.364 Euro. Das sind 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als am 1. Juli 2025. Die Daten liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.
Zusammensetzung der Eigenanteile
Der Eigenanteil setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: einem Anteil für die reine Pflege und Betreuung, den die Pflegeversicherung nicht vollständig übernimmt, sowie Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten. Während die Krankenversicherung die Behandlungskosten nahezu vollständig deckt, trägt die Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten, sodass die Bewohner selbst einen erheblichen Betrag zahlen müssen.
Regionale Unterschiede deutlich
Die Belastung variiert stark zwischen den Bundesländern. Am teuersten war die Pflege im ersten Jahr in Bremen mit durchschnittlich 3.761 Euro pro Monat, gefolgt vom Saarland mit 3.695 Euro. Die geringsten Eigenanteile wurden in Sachsen-Anhalt mit 2.891 Euro gemessen. Grundlage der Auswertung sind die Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit den Heimen in allen Ländern.
Forderung nach Kostendeckelung
Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, betonte: „Es gab Nachholbedarf, und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt.“ Sie forderte eine Begrenzung des Kostenanstiegs und eine faire Lastenteilung durch die geplante Pflegereform. Die aktuellen Steigerungen seien vor allem auf höhere Personalkosten zurückzuführen.
Reformpläne der Koalition
Die schwarz-rote Koalition plant jedoch Einsparungen bei den Entlastungszuschlägen, die mit der Aufenthaltsdauer steigen. Bisher sinkt der Eigenanteil für die reine Pflege im ersten Jahr um 15 Prozent, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent. Die Spannen zur nächsthöheren Stufe sollen von 12 auf 18 Monate verlängert werden. Laut Entwurf des Gesundheitsministeriums würde dies im nächsten Jahr 2,6 Milliarden Euro sparen, die dann nicht bei den Pflegebedürftigen ankommen. Kritiker befürchten, dass die geplanten Änderungen die finanzielle Lage der Betroffenen weiter verschlechtern könnten.



