Qualifizierungsgeld: Nur 350 Beschäftigte nutzen millionenschwere Hilfe
Qualifizierungsgeld: Nur 350 nutzen millionenschwere Hilfe

Berlin. Das Qualifizierungsgeld, das Anfang 2024 vom Bundesarbeitsministerium eingeführt wurde, sollte als Sicherheitsnetz für die Transformation der Wirtschaft dienen. Die Maßnahme, die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) finanziert wird, zielt darauf ab, Beschäftigte im Strukturwandel für neue Aufgaben zu qualifizieren – etwa vom Verbrenner zum E-Auto oder von der Ölheizung zu Photovoltaik und Wärmepumpe. Doch die Nachfrage ist äußerst gering: Von April 2024 bis Dezember 2025 nahmen lediglich 350 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Qualifizierungsgeld in Anspruch. Dies geht aus der Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Funktionsweise des Qualifizierungsgeldes

Das Qualifizierungsgeld funktioniert analog zum Kurzarbeitergeld. Wenn ein Unternehmen nachweislich vom Strukturwandel betroffen ist, zahlt die BA während einer Fortbildungsmaßnahme 60 Prozent des Nettoentgelts, sofern auf Kündigungen verzichtet wird. Der damalige Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) begründete die Einführung mit den Worten: „Wir müssen für Sicherheit im Wandel sorgen.“ Trotz dieser Absicht zeigt sich, dass die Hürden für die Inanspruchnahme offenbar zu hoch sind.

Gründe für die geringe Nutzung

Experten und erste politische Stimmen kritisieren die Komplexität der Maßnahme. Die Antragstellung sei bürokratisch aufwendig, und viele Unternehmen wüssten gar nicht, dass sie förderberechtigt seien. Zudem müssten Betriebe nachweisen, dass sie tatsächlich vom Strukturwandel betroffen sind, was oft schwierig sei. Die Grünen, die die Anfrage gestellt haben, fordern eine Vereinfachung des Verfahrens. Einige Stimmen aus der Wirtschaft gehen noch weiter und verlangen die Abschaffung des Qualifizierungsgeldes, da es sein Ziel verfehle.

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Auswirkungen und Zukunft der Maßnahme

Die geringe Inanspruchnahme steht in krassem Gegensatz zu den erwarteten Kosten. Das Arbeitsministerium hatte ursprünglich mit hohen Ausgaben gerechnet, um Zehntausende Beschäftigte zu qualifizieren. Stattdessen wurden nur 350 Personen erreicht, was die Effizienz der Maßnahme infrage stellt. Das Ministerium unter der Leitung von Bärbel Bas (SPD) prüft nun mögliche Anpassungen. Ob das Qualifizierungsgeld in seiner jetzigen Form bestehen bleibt, ist ungewiss. Kritiker fordern eine Reform oder Streichung zugunsten einfacherer Instrumente wie der Weiterbildungsprämie.

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