In diesen Tagen beginnen in Sachsen-Anhalt viele junge Menschen ihre Berufsausbildung. Zugleich will das Land verstärkt zugewanderte Jugendliche für den Ausbildungsmarkt gewinnen. Die dazu im vergangenen Jahr gestartete Kampagne des Arbeitsministeriums hat nach Angaben des Ministeriums in Magdeburg in diesem Frühjahr und Frühsommer erneut Hunderte Interessierte erreicht. Bei insgesamt sechs Präsenzveranstaltungen informierten sich 435 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das duale Ausbildungssystem in Sachsen-Anhalt. Darüber hinaus fanden individuelle Beratungen in mehreren Sprachen statt.
Bereits im Vorjahr, als die Kampagne an den Start ging, fanden 30 Veranstaltungen statt, die von mehr als 600 Menschen besucht wurden. Viele von ihnen stammen aus der Ukraine, aus Syrien oder aus Afghanistan. Diese Zielgruppe steht auch weiterhin im Mittelpunkt der Bemühungen, denn das Land will über die Kampagne gezielt junge Zuwanderer für den Ausbildungsmarkt gewinnen und ihnen eine berufliche Perspektive eröffnen.
Das duale Ausbildungssystem, das praktische Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule kombiniert, ist für viele zugewanderte Jugendliche der erste Schritt in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis. Die Kampagne des Ministeriums möchte genau diese Möglichkeit bekannter machen und Hemmschwellen abbauen.
Ministerin Grimm-Benne: „Menschen mit Migrationsgeschichte werden dringend gebraucht“
Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) warb bei der Vorstellung der Zahlen erneut für eine weltoffene Haltung. „Kein anderes Bundesland ist so sehr darauf angewiesen, alle Fachkräftepotenziale zu erschließen wie Sachsen-Anhalt“, sagte sie. „Unser Land muss weltoffen bleiben, sonst machen künftig Fachkräfte einen großen Bogen um Sachsen-Anhalt. Menschen mit Migrationsgeschichte werden dringend gebraucht, damit unsere Unternehmen weiter existieren können.“
Die Ministerin wies darauf hin, dass bereits heute jeder zehnte Auszubildende in Sachsen-Anhalt aus dem Ausland kommt. Dieser Anteil soll weiter steigen, denn in vielen Branchen werden händeringend Fachkräfte gesucht. Die Landesregierung sieht in der Integration von Zugewanderten in den Ausbildungsmarkt daher einen entscheidenden Baustein für die wirtschaftliche Zukunft des Landes.
Statistik: 1.040 ausländische Auszubildende im Jahr 2025
Die offiziellen Zahlen des Statistischen Landesamtes untermauern diese Entwicklung. Im Ausbildungsjahr 2025 schlossen rund 1.040 Auszubildende mit ausländischer Staatsangehörigkeit einen neuen Ausbildungsvertrag ab. Das sind 120 Verträge mehr als im Jahr zuvor – ein Anstieg von 11,5 Prozent. Damit hat sich die Zahl der ausländischen Auszubildenden in Sachsen-Anhalt erneut deutlich erhöht.
Gleichzeitig bleibt der gesamte Ausbildungsmarkt unter Druck. Insgesamt wurden im Ausbildungsjahr 2025 knapp 10.100 neue Ausbildungsverträge in der dualen Berufsausbildung gezählt. Das entspricht einem Rückgang um 1,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. Angesichts dieser Entwicklung gewinnt die Gewinnung von jungen Zugewanderten für die Betriebe im Land immer mehr an Bedeutung.
Mehrsprachige Beratung als Erfolgsfaktor
Ein zentraler Bestandteil der Kampagne sind die individuellen Beratungen, die in mehreren Sprachen angeboten werden. So sollen Verständigungsbarrieren vermieden und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern konkrete Hilfe geboten werden – etwa bei der Anerkennung von Schulabschlüssen, beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen oder bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsbetrieb.
Die sechs Präsenzveranstaltungen in diesem Jahr stießen mit 435 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf große Resonanz. Gemeinsam mit den Beratungsgesprächen tragen sie dazu bei, dass zugewanderte Jugendliche den Schritt in eine Ausbildung wagen. Das Ministerium sieht in den Zahlen einen Beleg für den Erfolg des Angebots und will die Kampagne fortführen, um dem Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt langfristig zu begegnen.



