BYD-Ärger in Australien: Überkapazitäten belasten Chinas Autobauer
BYD-Ärger in Australien: Überkapazitäten belasten Chinas Autobauer

Irrtum oder Strategie? BYD verkauft ältere Neuwagen in Australien

Rund 1000 Fahrzeuge der Modelle Atto 3 und Dolphin des chinesischen Herstellers BYD sorgten in Australien für Unmut. Kunden hatten vermeintlich Neuwagen des Modelljahres 2025 gekauft, doch tatsächlich wurden die Autos bereits 2024 produziert. BYD sprach von einem administrativen Fehler bei der Datenerfassung: Statt des Fertigungsdatums sei das spätere Datum des Werksaustritts als Produktionsjahr erfasst worden. Der australische Markt legt großen Wert auf das tatsächliche Produktionsdatum („Build Date“), da dieses den Wiederverkaufswert beeinflusst – anders als in Europa, wo die Erstzulassung entscheidend ist.

Entschädigung und Rückkaufangebote

Zunächst bot BYD eine Entschädigung von umgerechnet rund 670 Euro sowie Software-Updates an. Nach Protesten stellte der Hersteller zusätzlich Rückkäufe oder einen Austausch gegen Fahrzeuge des Modelljahres 2026 in Aussicht. Ob es sich tatsächlich nur um einen Verwaltungsfehler handelte oder der wachsende Absatzdruck eine Rolle spielte, bleibt offen. Der Fall wirft jedoch ein Schlaglicht auf die Überkapazitäten in Chinas Autoindustrie.

Überkapazitäten und Lagerbestände wachsen

Chinesische Autobauer haben ihre Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Die mögliche Fertigung übersteigt die Nachfrage im heimischen Markt deutlich. Laut einer Händlerumfrage lagen die Lagerbestände bei BYD zuletzt bei durchschnittlich 3,21 Monatsproduktionen – mehr als doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt von 1,38 Monaten. Fahrzeuge stehen immer länger auf den Höfen, einzelne Händler mussten bereits schließen. Hersteller versuchen verstärkt zu exportieren und gleichzeitig die Lagerbestände abzubauen.

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Preisdruck durch hohe Flottenzulassungen

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer spricht von einem „erheblichen Druck“ auf BYD. Im ersten Halbjahr 2026 seien rund 42 Prozent der BYD-Neuwagen auf Händler und Flottenbetreiber zugelassen worden – deutlich mehr als bei Volkswagen (28 Prozent) oder Skoda (19 Prozent). Diese Fahrzeuge müssen anschließend an Endkunden weiterverkauft werden, was den Preisdruck verschärft und die Margen belastet.

Schnelle Modellwechsel mindern Restwerte

Anders als etablierte Hersteller bringt BYD neue Modellgenerationen und technische Updates in kurzen Abständen auf den Markt. In China protestierten Kunden bereits gegen die aus ihrer Sicht zu schnellen Produktwechsel, da der Wiederverkaufswert älterer Fahrzeuge dadurch ungewöhnlich schnell sinkt. Autoexperte Frank Schwope von der FHM Berlin sieht einen Zielkonflikt: „Der Kunde bekommt schneller neue Technologie, allerdings altert das Auto somit auch schneller.“

Kein Einzelfall in der Branche

Schwope betont, dass der Verkauf bereits produzierter Fahrzeuge als neues Modelljahr nichts Ungewöhnliches sei – auch etablierte Hersteller praktizierten dies. Tesla beispielsweise baue regelmäßig Lagerfahrzeuge zum Quartalsende ab. Entscheidend sei die Transparenz gegenüber den Kunden über Fahrzeugversion und Produktionsdatum. Das größere Problem seien jedoch die wachsenden Überkapazitäten. „Die Kunden werden zukünftig genauer hinschauen“, sagt Schwope.

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