Der Ferienflieger Eurowings erwartet trotz steigender Preise keine Flugstreichungen wegen Kerosinmangels in diesem Sommer. Wie Eurowings-Chef Max Kownatzki mitteilte, sei die Versorgung mit Kerosin für die Sommermonate stabil. Mit einem Zeithorizont bis Ende Oktober gebe es keine Hinweise auf Engpässe, die zu Flugausfällen führen könnten. „Wir werden für einen stabilen Flugbetrieb sorgen, und unsere Gäste können ihren Sommerurlaub mit gutem Gefühl planen“, so Kownatzki.
Entwarnung auch von DHL
Auch der Logistikriese DHL sieht für sein Luftfrachtgeschäft kein Risiko, wie Expresschef Mike Parra der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Die Warnungen aus der Luftfahrt vor Knappheit hatten Verbraucher zunächst verunsichert und zu Zurückhaltung beim Buchen geführt. Doch nach Einschätzung der Lufthansa-Tochter habe sich dies wieder gedreht. „Wir haben in dieser Krise kein Nachfrageproblem“, erklärte Kownatzki. Auch der Mutterkonzern Lufthansa und der Flughafenbetreiber Fraport bemühten sich zuletzt, Bedenken über leere Kerosintanks zu zerstreuen.
Veränderte Buchungsmuster
Die Urlauber buchen verstärkt Ziele am westlichen Mittelmeer, während näher an der Kriegsregion Iran und Persischer Golf gelegene Länder wie die Türkei gemieden werden. So verzeichnet Eurowings für die beliebte Ferieninsel Mallorca in den Sommermonaten neun Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr. Auch Portugal sei stark gefragt. Für westliche Ziele könnten die Ticketpreise angehoben werden, was aus Sicht von Kownatzki dringend notwendig ist. Der massive Kerosinpreisanstieg lasse die Treibstoffrechnung des Ferienfliegers um einige hundert Millionen Euro steigen.
Kostensteigerungen nur teilweise abwälzbar
Diese und andere Kostensteigerungen, etwa durch den Pilotenstreik bei Eurowings im Frühjahr, könnten wegen des Wettbewerbs nur zu etwa 50 Prozent über die Preise auf die Kunden abgewälzt werden. Während die Kosten zweistellig zunähmen, kletterten die Ticketpreise nur einstellig, erklärte der Airline-Chef. Dennoch werde Eurowings in diesem Jahr Gewinn machen. „Wenn die Kerosinpreise jetzt weiter so bleiben, wie sie momentan sind, dann wird die Eurowings im profitablen Bereich bleiben für das Gesamtjahr.“ Nach einem Höchststand vor einigen Wochen hätten sich die Kerosinpreise wieder auf niedrigerem Niveau eingependelt. Im kommenden Jahr sollte sich die Lage weiter entspannen, wie sich an Prognosen ablesen lasse.
Kostensenkungsprogramme und Streckennetzanalyse
Kownatzki will Kosten senken. Dazu seien mehrere Programme aufgelegt worden. Überprüft werde auch, ob die Airline 14 Basen mit fest stationierten Flugzeugen und Personal in Europa braucht. Das Streckennetz analysiert er daraufhin, ob es Streichungen oder weniger Frequenzen auf ertragsschwachen Routen geben muss. Abzuwarten bleibt auch, ob sich Dubai nach dem Einbruch durch den Iran-Krieg als vielversprechendes Flugziel auch für Eurowings wieder erholt. Dank neuer Flugzeuge mit mehr Reichweite hatte der Ferienflieger das Geschäft mit Mittelstreckenflügen ausgebaut. Alternativen für dieses Segment sieht Kownatzki im Irak mit Erbil, da es hohe Nachfrage von im Ausland lebenden Menschen aus der Region gibt. Auch Syrien werde „ein hochinteressanter Markt“, wenn es die Sicherheitslage erlaube.



