Von Januar bis Juni 2026 erzielte Porsche einen Nettogewinn von 1,07 Milliarden Euro – ein Plus von rund 49 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025. Das gab der Sport- und Geländewagenbauer am Dienstag bekannt. Der Gewinnanstieg ist jedoch vor allem auf den Wegfall von Sonderkosten zurückzuführen, die das Vorjahresergebnis massiv belastet hatten.
Gewinnplus durch Wegfall von Sonderkosten
Im ersten Halbjahr 2025 waren Sonderkosten in Höhe von rund 800 Millionen Euro angefallen – unter anderem für die Korrektur der E-Auto-Strategie und den Konzernumbau. Das Konzernergebnis war damals von 2,15 Milliarden auf gut 718 Millionen Euro eingebrochen, ein Minus von 71 Prozent. Im aktuellen Berichtszeitraum lagen die Kosten für die strategische Neuaufstellung der Volkswagen-Tochter bei rund 400 Millionen Euro. Diese wurden jedoch größtenteils durch Verhandlungen mit Lieferanten kompensiert, die Auflösungen von Rückstellungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro ermöglichten. Per saldo verblieb eine Belastung von rund 100 Millionen Euro. Ohne diese Effekte stünde Porsche kaum besser da als im Vorjahr.
Umsatzrückgang und operative Verbesserung
Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um gut fünf Prozent auf rund 17,23 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg hingegen um ein Drittel auf fast 1,35 Milliarden Euro. Finanzvorstand Jochen Breckner sagte: „Die Zahlen liegen im Rahmen unserer Erwartungen. Das Kostenmanagement zeigt erste positive Effekte.“ Trotz eines weiterhin herausfordernden Marktumfelds bestätigte der Konzern die Jahresprognose: einen Umsatz von 35 bis 36 Milliarden Euro und einen höheren operativen Gewinn als im Vorjahr. Porsche-Chef Michael Leiters betonte jedoch: „Vor uns liegt aber noch viel Arbeit, um Porsche robust für die herausfordernde Zukunft aufzustellen.“
China-Krise und Überkapazitäten
Porsche steckt in der schwersten Krise seit Jahren. Hauptursachen sind das kriselnde China-Geschäft, die US-Zölle und die geringere Nachfrage nach E-Modellen. Bereits 2025 sackte der Absatz um ein Zehntel auf 279.400 Fahrzeuge – den niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2020. In China haben sich die Verkaufszahlen zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert. Auch für 2027 erwartet Breckner sinkende Absatzzahlen. Die Produktionskapazität war ursprünglich für 350.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt, doch die Werke laufen wegen der schwächelnden Nachfrage alles andere als ausgelastet. Die Devise des Managements lautet daher: Porsche muss kleiner werden und wieder mehr Autos mit Verbrennungsmotor entwickeln.
Personalabbau und Sparpaket
Das am Montag vorgestellte Sparpaket sieht bis 2035 den Abbau von 5.000 Stellen in der Region Stuttgart vor. Im Gegenzug verlängert Porsche die Standortsicherung; betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2035 ausgeschlossen. Gleichzeitig investiert der Konzern 2,1 Milliarden Euro in das Stammwerk Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in Weissach. Finanziert werden die Investitionen unter anderem durch Einschnitte bei Tariferhöhungen und Kürzungen beim Weihnachtsgeld. Bereits im Februar 2025 war der Abbau von rund 1.900 Stellen bis 2029 vereinbart worden; zudem liefen 2.000 befristete Verträge aus. Insgesamt streicht Porsche in den nächsten Jahren mehr als jede dritte Stelle. Auch im Leipziger Werk wurden Jobs gestrichen.
Finanzvorstand Breckner erwartet für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr Sonderkosten im dreistelligen Millionenbereich, insgesamt aber unter einer Milliarde Euro. „Die Belastungen beziehen sich im Wesentlichen auf den sozialverträglichen Abbau der Stellen“, sagte er. Langfristig sieht er durch den Stellenabbau ein jährliches Sparpotenzial im mittleren dreistelligen Millionenbereich pro Jahr – bis 2035 summiert auf mehrere Milliarden Euro. Erste Effekte seien jedoch erst 2028 zu erwarten.
Ausblick und Strategiewechsel
Der seit Jahresbeginn amtierende Porsche-Chef Leiters schwebt eine schlankere Sportwagenschmiede vor, die auch mit weniger verkauften Fahrzeugen satte Gewinne einfahren kann. Das aktuelle Zielbild liege weit unter dem alten Wert von 350.000 Fahrzeugen, sagte er. Seine Strategie will er Anfang Oktober bei einem Kapitalmarkttag vorstellen. Die erhoffte Trendwende bleibt vorerst aus – die Krise des Traditionsunternehmens ist trotz des Gewinnanstiegs noch lange nicht überwunden.



