VW-Krise: Blume sieht Alternativen zu Werksschließungen
VW-Krise: Blume sieht Alternativen zu Werksschließungen

Volkswagen-Chef Oliver Blume hat im Ringen um die Zukunft des Konzerns Alternativen zu Werksschließungen ins Spiel gebracht. „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen“, sagte Blume der „Bild am Sonntag“. Die Äußerungen kommen nach Medienberichten, wonach der Vorstand mit einem weitergehenden Sparpaket im Aufsichtsrat gescheitert sein soll. Laut „Manager Magazin“ könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen gestrichen werden, die „Bild“ spricht sogar von 120.000. Vier deutsche Werke – Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm – gelten als schließungsgefährdet.

Sparprogramm zeigt Wirkung

Blume betonte, dass ein Sparprogramm an den deutschen Produktionsstandorten bereits Erfolge zeige: „Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt.“ Gleichzeitig räumte er ein, dass weitere Einschnitte nötig seien: „Unsere Produkte sind sehr beliebt – wir verdienen nur zu wenig Geld damit. Deshalb müssen wir unsere Kosten weiter reduzieren. In allen Kostenarten.“ Der Konzern wolle künftig den Absatz pro Modell steigern und das Produktportfolio straffen.

Hoffnung auf Elektroflotte

Hoffnung setzt Blume in die neue Elektroflotte. „Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa – bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen.“ Sorgen bereitet ihm die Weltlage: „Unser Umfeld war noch nie so anspruchsvoll und risikobehaftet wie heute. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Regulatorik, Marktumbrüche und intensive Konkurrenz.“

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Betriebsrat übt scharfe Kritik

Der Betriebsrat hat unterdessen einen großen Vertrauensverlust in der Belegschaft ausgemacht. Man habe registrieren müssen, dass Blume am Freitag das Management über Details sowohl zum wahrscheinlichen Aus für deutsche Fabriken als auch zu einem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel informiert habe. „Wir verurteilen scharf, dass er gleichzeitig den zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält“, hieß es am Samstag. Der Betriebsrat hatte Blume ein Ultimatum bis Freitag gestellt, Stellung gegenüber der Belegschaft zu beziehen. In der Konsequenz werde der Konzernchef nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen.

Aufsichtsrat blockiert Sparpaket

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Sparpaket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, „die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt“.

Absatzrückgang und China-Sorgen

Die jüngsten Absatzzahlen des Konzerns zeigen die Schwere der Krise. Weltweit verkaufte VW im zweiten Quartal 2,08 Millionen Autos – fast 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang beschleunigt sich damit: Von Januar bis März stand noch ein Minus von 4 Prozent. Vor allem in China lief es schlecht: Dort brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel ein – auf nur noch 424.300 Fahrzeuge. Zudem sorgt sich die deutsche Autoindustrie, dass chinesische Hersteller bald auch auf dem europäischen Markt für Wirbel sorgen könnten. Angesichts des schwachen Marktumfelds in China versuchen die dortigen Hersteller, ihre Autos verstärkt im Ausland abzusetzen – zuletzt hatten sie sich schon in Märkten wie Italien, Spanien und Großbritannien mit Plug-in-Hybriden zunehmend breitgemacht.

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