Zinsentscheid der Fed: Leitzins bleibt stabil, aber interne Differenzen wachsen
Die US-Notenbank (Fed) hat ihren Leitzins trotz anhaltender Inflationsgefahr unverändert gelassen. Der geldpolitische Schlüsselsatz verbleibt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Diese Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Drei Mitglieder des mächtigen Offenmarktausschusses (FOMC) sprachen sich für eine Anhebung um 25 Basispunkte aus. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh betonte bei einer Pressekonferenz: „Unsere Gespräche verliefen erneut kollegial und konstruktiv.“ Die Diskussionen hätten unter anderem die durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferkettenprobleme, militärische Konflikte sowie die „erheblichen Erhöhungen der Zollsätze“ umfasst. Warsh fügte hinzu: „Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen.“
Wall Street enttäuscht: Fehlende Zinsprognose trübt Stimmung
Das Ausbleiben einer konkreten Prognose für den künftigen geldpolitischen Kurs belastete die Finanzmärkte schwer. Die wichtigsten US-Börsenindizes weiteten ihre Verluste aus und notierten zwischen 1,2 und 2,1 Prozent im Minus. Zunächst hatten die Indizes nach der Zinsankündigung noch leichte Gewinne verzeichnet, doch die anschließende Pressekonferenz von Fed-Chef Warsh drehte die Stimmung ins Negative. Warsh erklärte, dass eine vorausschauende Prognose in Krisenzeiten wie 2008/2009 sinnvoll sei, „aber unter günstigeren Bedingungen gehört dies meiner Meinung nach auf den Prüfstand gestellt“. Marktteilnehmer, so Warsh, hätten sich jedoch an diese Informationen gewöhnt; ein Rückzug der Prognosen erfordere daher einen behutsamen Übergang. Experten von Reuters befragte Analysten hatten mit einer Zinspause gerechnet, obwohl Warsh sich zuvor bewusst bedeckt zum Zinskurs gehalten hatte.
Inflationsentwicklung: Rückgang, aber weiterhin über Ziel
Die Inflation in den USA hat zuletzt nachgelassen: Im Juni lag die Teuerungsrate bei 3,5 Prozent, angetrieben durch den Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges. Trotz des Rückgangs bleibt die Inflation deutlich über dem Zielwert der Fed von 2 Prozent. An den Finanzmärkten wird zunehmend mit einer Zinserhöhung im September gerechnet. Elmar Völker von der Bank LBBW Research kommentierte: „Die Währungshüter haben ungeachtet der jüngsten Eskalation der Lage im Nahen Osten vorerst die Füße stillgehalten. Die Differenzen innerhalb des Gremiums über den angemessenen geldpolitischen Kurs nehmen indes merklich zu. Schon im Juni hatten einige Notenbanker gute Gründe für eine straffere Geldpolitik gesehen.“
Ölpreise steigen: Gefahr von Zweitrundeneffekten
Mit dem Wiederaufflammen des Iran-Krieges sind die Ölpreise weiter gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent Crude lag zuletzt bei knapp 90 Dollar. Diese Entwicklung erhöht die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte – ein Hochschaukeln von Preisen und Löhnen, das die Inflation weiter anheizen würde. Die Fed will dies unbedingt vermeiden. Fed-Chef Warsh stellte klar, dass die US-Notenbank keine dauerhaft erhöhte Inflation dulden könne. Zugleich kündigte er Reformen an: Er hat Projektgruppen einberufen, die unter anderem das geldpolitische Rahmenwerk zur Inflation überprüfen sollen. Dabei ließ Warsh Kritik an der Arbeit seines Vorgängers Jerome Powell anklingen, da die Fed unter Powell die erhöhte Inflation in den vergangenen Jahren nicht in den Griff bekommen habe.
Ausblick: Warsh’ Reformkurs und Markterwartungen
Die Finanzwelt blickt gespannt auf die nächsten Schritte von Kevin Warsh. Seine Haltung, die Prognosepraxis zu überdenken, sowie die Einrichtung von Arbeitsgruppen signalisieren einen möglichen Kurswechsel. Der Markt rechnet trotz der aktuellen Zinspause mit einer Anhebung im Herbst. Die internen Spannungen im FOMC könnten jedoch zu einer volatileren Geldpolitik führen. Beobachter erwarten, dass die Fed insbesondere die Entwicklung der Ölpreise und der Lohn-Preis-Spirale im Auge behalten wird.



