Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge mit dem sogenannten Altersvorsorgedepot, das ab Januar 2027 staatlich gefördert werden soll. Das Produkt verspricht mehr Rendite, niedrigere Kosten, einfachere Handhabung und größere Flexibilität. Doch Experten der FMH-Finanzberatung bezweifeln, dass das staatliche Angebot tatsächlich einfacher und flexibler sein wird. Zudem seien die Zulagen für Kleinsparer nur mittelmäßig attraktiv. Die gute Nachricht: Wer nicht auf die Politik warten möchte, kann sich bereits heute ein eigenes Altersvorsorgedepot aufbauen – mit einem passenden Depot und Sparplan.
Kosten im Blick behalten
Gerade bei kleinen monatlichen Sparbeträgen ist es entscheidend, die Depotkosten niedrig zu halten. Ein Prozent Gebühr auf die Sparleistung klingt gering, summiert sich aber über die Jahre. Bei einer Sparrate von 100 Euro monatlich, einer Laufzeit von 30 Jahren und einer angenommenen Rendite von sechs Prozent erzielt ein Anleger ohne Gebühren ein Endkapital von 97.953 Euro. Wer dagegen ein Prozent Gebühr zahlt, erhält nur 96.973 Euro – ein Unterschied von fast 1.000 Euro.
Die Suche nach dem passenden Sparplan
Die FMH-Finanzberatung hat im Auftrag von ntv die Angebote von Geschäftsbanken, Direktbanken und Neo-Brokern untersucht. Dabei standen zwei Kriterien im Fokus: die Depot- und Transaktionskosten sowie die Verfügbarkeit günstiger ETF-Sparpläne. ETF-Sparpläne sind für sicherheitsbewusste Anleger attraktiv, bringen den Banken aber geringere Provisionen als aktiv gemanagte Fonds oder Aktiensparpläne. Aktiensparpläne sind inzwischen auf dem Vormarsch, während aktiv gemanagte Fonds vor allem bei traditionellen Banken angeboten werden. Neo-Broker haben diese seltener im Programm.
Sechs sehr gute Anbieter für Kleinanleger
Unter den Neo-Brokern erhielten vier Anbieter die Bestnote „sehr gut“: Scalable Capital, Smartbroker+, Traders Place und Trading212. Sie bieten kostenlose Transaktionen bis 500 Euro Ordervolumen (bei Scalable Capital fällt eine Gebühr von 99 Cent an) sowie kostenlose ETF-Sparpläne. Aktiensparpläne sind bei allen vier möglich, Fondssparpläne bei allen außer Trading212.
Bei den Geschäfts- und Direktbanken schneiden S Broker und ING mit „sehr gut“ ab. Beide bieten kostenlose ETF-, Fonds- und Aktiensparpläne. Die Transaktionskosten liegen bei der ING mit 6,15 Euro pro 500 Euro Order deutlich höher als beim S Broker mit 0,95 Cent. Die reinen Depotkosten sind bei fast allen getesteten Anbietern null Euro.
Mit der Note „gut“ bewertete die FMH zudem Consorsbank, Comdirect, Deutsche Bank, N26, 1822direkt, GenoBroker und DKB.
Flexibel bleiben und langfristig planen
Einmal abgeschlossen, ist man an keinen Anbieter oder Sparbetrag gebunden. Die Sparrate ist freiwillig und kein Vertragsbestandteil. Ein Depotwechsel ist jederzeit möglich. Gerade Anfänger sollten sich jedoch gut beraten lassen, denn Börsenkurse unterliegen Schwankungen. Ein langer Anlagehorizont hilft, Verluste auszugleichen und einen soliden Kapitalstock für den Ruhestand aufzubauen, so die FMH.



