Erstes Fusionskraftwerk: Deutschland bekommt Chance mit milliardenschweren Hubs
Fusionskraftwerk: Milliarden für deutsche Hubs

Die Bundesregierung hat den ersten Schritt getan, um das weltweit erste Fusionskraftwerk nach Deutschland zu holen. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär gab gemeinsam mit Ländervertretern bekannt, wo die sogenannten Hubs für die Fusion entstehen sollen. Insgesamt sind mehr als 30 Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen an den regionalen Clustern beteiligt.

Drei Hubs für die Kernfusion

Der erste Hub in Bayern konzentriert sich auf die Magnetfusion. Unter der Leitung des Start-ups Proxima Fusion und des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) soll hier die Forschung an der Magnettechnologie vorangetrieben werden. Auch Gauss Fusion ist beteiligt. Der zweite Hub in Biblis sowie in Hamburg und Schleswig-Holstein dreht sich um die Laserfusion. Focused Energy und Marvel Fusion leiten die Arbeiten, unterstützt durch den European XFEL-Röntgenlaser. Der dritte Hub am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) widmet sich der Material- und Brennstoffforschung.

„Man kann die Energie der Sonne auf die Erde holen“, sagte Bär. „Das ist ein sehr verheißungsvolles Ziel.“ Die Investitionen in Fusionsunternehmen steigen rasant, und die Bundesregierung will Deutschland eine echte Chance geben. Bis zu neun Milliarden Euro aus der 18-Milliarden-Hightech-Agenda sollen in den kommenden Jahren fließen.

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Finanzierung und Wettbewerb

Die Hubs erhalten jeweils Millionen, um die Grundlage für spätere Förderprogramme zu legen. Der Bund erwartet jedoch, dass die Unternehmen eigene Ressourcen einsetzen und der private Anteil nach einer Anlaufphase überwiegt. Für den Bau der ersten Demonstrationskraftwerke sollen bis 2029 weitere 600 Millionen Euro in meilensteinbasierte Wettbewerbe fließen. Die Unternehmen können sich im September bewerben. Erst Mitte der 2030er-Jahre will die Regierung entscheiden, ob der Magnet- oder Laseransatz weiterverfolgt wird.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat bereits 400 Millionen Euro zugesagt, sollte sein Land den Zuschlag bekommen. „Diese Technologie wäre eine ganz neue Option: unbegrenzt verfügbar, sicher und sauber“, sagte Söder. Er fordert mehr Investitionen des Bundes, finanziert durch Einsparungen bei Sozialausgaben.

Wirtschaftliche Perspektiven

Eine Deloitte-Studie im Auftrag von Proxima Fusion zeigt: 80 Prozent der 2,2 Milliarden Euro Projektkosten für einen Demonstrator flössen in deutsche und europäische Lieferketten. Bayern hätte mit 800 Millionen Umsatzpotenzial den größten Nutzen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (310 Millionen), Niedersachsen (270 Millionen) und Baden-Württemberg (205 Millionen). Bis 2029 könnten so bis zu 5100 Arbeitsplätze entstehen. Perspektivisch soll Fusionsstrom zu Kosten von zwei bis neun Cent pro Kilowattstunde wettbewerbsfähig sein.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Das Forschungsministerium hat zudem ein Outreach-Projekt gestartet, um die Technologie in Schulen, Kulturstätten und durch Events wie Science-Slams bekannt zu machen. Ziel ist es, einen breiten gesellschaftlichen Rückhalt für das erste Fusionskraftwerk in Deutschland zu schaffen.

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