Die Bundesnetzagentur bereitet sich auf einen möglichen, langanhaltenden Stromausfall vor – und hält die Pläne geheim. Das geht aus internen Unterlagen der sogenannten Sicherheitsplattform Strom (SiPlaS) hervor, die erst jetzt durch Recherchen von Apollo News und WELT bekannt wurden.
Geheimprojekt SiPlaS: Öffentlichkeit sollte nichts erfahren
Bereits seit 2024 arbeitet die Bundesnetzagentur an SiPlaS. In einem Papier heißt es ausdrücklich, eine Veröffentlichung der Pläne sei nicht vorgesehen, um mögliche „Verunsicherung“ zu vermeiden. Die Plattform zielt auf „Strom-Mangellagen“ ab, die mehrere Tage oder sogar Wochen dauern könnten – ein Szenario, das über kurzfristige regionale Ausfälle hinausgeht.
Auf SiPlaS sollen Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von mindestens acht Gigawattstunden registriert werden – also große Werke aus der Chemie-, Metall- oder Lebensmittelindustrie. Aufgebaut wird die Plattform von Amprion, einem der vier Betreiber des deutschen Höchstspannungsnetzes.
So soll der Staat im Ernstfall eingreifen
Anders als bei einem Kabelbrand oder einem Baggerunfall geht es bei SiPlaS nicht um kurze Unterbrechungen, sondern um eine längerfristige Knappheit: Wenn nicht genug Strom für alle da ist, will der Staat schnell wissen, wer wie viel verbraucht und wer seine Produktion drosseln kann. Ziel ist es, Krankenhäuser, Haushalte und kritische Infrastruktur zu schützen.
Im Krisenfall könnten Großverbraucher mit einem Vorlauf von 24 Stunden bis zu drei Tagen angewiesen werden, weniger Strom zu beziehen. Die Bundesnetzagentur betont jedoch, dass es derzeit keine solche Mangellage gibt. Die Stromversorgung sei sicher, wie offizielle Zahlen belegen: 2024 lag die durchschnittliche Stromunterbrechung pro Verbraucher in Deutschland bei 11,7 Minuten – weltweit ein Spitzenwert.
Warnung von Amprion: Lücke bei gesicherter Kraftwerksleistung
Trotz der aktuell guten Versorgungssicherheit warnt Amprion vor einer wachsenden Lücke. In den kommenden Jahren brauche es mehr gesicherte Kraftwerksleistung – also Anlagen, die auch dann liefern, wenn Wind und Sonne schwächeln. Nach Berechnungen des Unternehmens könnten bis 2035 knapp 40 Gigawatt zusätzliche Kapazität nötig sein. Sicher geplant sind derzeit aber erst 12,5 Gigawatt.
Realer Vorgeschmack: Anschlag auf Kabelbrücke in Berlin
Wie verheerend ein längerer Stromausfall sein kann, zeigte sich im Januar im Berliner Südwesten. Ein Terroranschlag auf eine Kabelbrücke legte 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen lahm. Mehrere Tage waren sie ohne Strom, Heizung, Internet und Mobilfunk. Zwar hatte dieser Fall nichts mit Strommangel zu tun, er verdeutlicht aber, wie schnell das öffentliche Leben ins Stocken gerät.



