Niedrigwasser am Rhein: Industrie warnt vor steigenden Kosten
Niedrigwasser: Rhein-Pegel bremst Industrie-Erholung

Das Niedrigwasser im Rhein belastet die gerade erst begonnene Erholung der deutschen Industrie. Ökonom Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters: „Dies dürfte sich zunächst in höheren Transportkosten und Anpassungen der Logistikrouten bemerkbar machen.“

Robuste Konjunkturdaten und unerwünschter Gegenwind

Nach zuletzt überraschend robusten Konjunkturdaten wären transportbedingte Verzögerungen in den Lieferketten „ein unerwünschter Gegenwind für die sich stabilisierende Industrie“. Diese hatte im Mai bei Aufträgen, Exporten und Produktion überraschend deutlich zugelegt. „Dennoch dürften die potenziell betroffenen Unternehmen aus vergangenen Krisen gelernt und in widerstandsfähigere Lieferketten investiert haben“, fügte Schattenberg hinzu.

Rekordtief am Rhein: Pegelstand fällt unter 50 Zentimeter

Der Rhein gehört zu den meistbefahrenen Binnenwasserstraßen der Welt. Der Wasserstand an der wichtigen Engstelle Kaub nahe Koblenz dürfte nach Prognose der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes am Dienstag deutlich unter die Marke von 50 Zentimetern fallen. Das bisherige Rekordtief wurde im Oktober 2018 mit 25 Zentimetern erreicht.

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Bei dem aktuellen Pegelstand könne ein typisches Rhein-Containerschiff mit einer Kapazität von 500 Standardcontainern (TEU) die Engstelle nur noch mit einer Auslastung von weniger als einem Fünftel passieren, so die Deutsche Bank. Die Folge seien steigende Transportkosten, da Reedereien entsprechende Zuschläge erheben dürften. „Fällt der Pegel in Kaub auf etwa 40 Zentimeter oder darunter, wird die Güterschifffahrt für gewöhnlich eingestellt“, sagte Schattenberg.

Prognose: Kritische Marke könnte am Mittwoch durchbrochen werden

Prognosen zufolge könnte die kritische Marke bereits am Mittwoch durchbrochen werden. Als Ursachen für das Niedrigwasser gelten das trockene Wetter der vergangenen Wochen sowie geringere Zuflüsse aus den Nebenflüssen und dem Bodensee.

Transport von kritischen Rohstoffen per Schiff oft günstiger

Verschärft wird das Problem nach Ansicht der Analysten der Deutschen Bank durch eine monatelange Sperrung einer wichtigen Ausweichroute auf der Schiene. Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist wegen Sanierungsarbeiten demnach bis zum 12. Dezember für den Güterverkehr nicht befahrbar. Ohnehin könne die Bahn die Kapazitäten der Binnenschifffahrt nur begrenzt ersetzen.

„Der Löwenanteil der deutschen Binnenschifffahrtsfracht wird auf dem Fluss bewegt“, betonte Schattenberg. Häufig transportierte Güter sind flüssige Mineralölprodukte, Eisenerz, Steine und Erden sowie Container. Diese Güter könnten oft einfacher und kostengünstiger per Schiff als per Lkw oder Bahn transportiert werden.

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