Die Bürgerinitiative 'Klimaentscheid Erfurt' hat scharfe Kritik am Entwurf der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Erfurt geäußert. Nach Ansicht der Klimaschützer bleiben die finanziellen Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger völlig unklar. Der Ende März vorgelegte Plan sei zwar grundsätzlich solide, doch fehlten konkrete Zahlen zur finanziellen Belastung der Haushalte in der Landeshauptstadt, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme.
Wasserstoff als teure Lösung?
Der Entwurf der Wärmeplanung stützt sich auf Erhebungen, wonach die Umstellung des Erfurter Gasnetzes auf grünen Wasserstoff Kosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro verursachen würde. Das mehr als 500 Seiten umfassende Dokument verweist auf Erwartungen der Stadtwerke Erfurt, wonach Teilgebiete der über 200.000 Einwohner zählenden Stadt künftig mit Wasserstoff für die Wärmeversorgung beliefert werden könnten – vorausgesetzt, die Preise für das Gas sinken.
Fehlender Effizienzvergleich
Die Initiative bemängelt, dass im Plan ein systematischer Kostenvergleich mit der Umrüstung auf elektrische Wärmepumpen fehle. 'Es ist zu befürchten, dass auf die Bewohner der betroffenen Gebäude durch eine Umstellung auf Wasserstoff hohe Kosten zukommen könnten', warnen die Autoren. Der Plan selbst beziffert den Umstellungsaufwand für bestehende Erdgas-Thermen auf einen 'mittleren bis hohen vierstelligen Eurobetrag pro Haushalt'.
Soziale Komponente gefordert
Insbesondere für einkommensschwache Haushalte sei eine Kompensationsstrategie notwendig, fordern die Klimaschützer. Zudem seien viele Kosten- und Versorgungsfragen rund um Wasserstoff weiterhin ungeklärt. Es fehlten eine Wirtschaftlichkeitsrechnung, eine verbindliche Zusage der Ferngasbetreiber sowie ausgereifte Technologien zum Heizen mit Wasserstoff für Privathaushalte.
Öffentliche Beteiligung läuft
Der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung liegt derzeit zur öffentlichen Beteiligung aus. Bis Ende Juni muss die Stadt ihre Planung fertiggestellt haben. Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045. Zehn Thüringer Städte und Gemeinden, darunter Eisenach, Meiningen und Jena, haben ihre Wärmeplanung bereits Ende April abgeschlossen.



