Die Bauzinsen in Deutschland befinden sich derzeit im Aufwärtstrend. Nach einer Phase leichter Rückgänge haben viele Banken ihre Konditionen für Immobilienkredite wieder angehoben. Ein Vergleich der Kreditvermittler zeigt, wie unterschiedlich die Angebote ausfallen und wo Kreditnehmer aktuell die besten Zinsen finden können.
Aktuelle Bauzinsen im Vergleich
Ein typisches Fallbeispiel verdeutlicht die Spreizung: Ein Paar möchte eine Bestandsimmobilie für 400.000 Euro kaufen und bringt 80.000 Euro Eigenkapital mit. Die Finanzierung soll mit einer Zinsbindung von zehn Jahren und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent erfolgen. Die günstigsten Konditionen bietet laut eigener Recherche der Vermittler Dr. Klein mit einem effektiven Jahreszins von 3,79 Prozent und einer monatlichen Rate von rund 1.672 Euro. Die Interhyp liegt mit 3,84 Prozent und 1.687 Euro monatlich nur knapp darüber. Deutlich teurer ist Baufi24 mit 4,05 Prozent effektiv und einer Rate von 1.745 Euro – das sind rund 900 Euro Mehrkosten pro Jahr.
In der Vorwoche lagen die Zinsen noch etwas niedriger: Dr. Klein und die DTW Immobilienfinanzierung notierten bei 3,81 Prozent, Interhyp bei 3,86 Prozent und Baufi24 bei 4,07 Prozent. Die monatlichen Raten reichten von 1.677 bis 1.751 Euro. Diese Beispiele zeigen, wie schnell sich die Marktlage ändert und wie wichtig ein aktueller Vergleich ist.
Gründe für den Zinsanstieg
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins zuletzt unverändert bei 2,25 Prozent belassen, wie am 23. Juli bestätigt wurde. Dennoch orientieren sich Bauzinsen weniger am EZB-Zins als an den Kapitalmarktrenditen. Diese wiederum werden von geopolitischen Spannungen und Inflationserwartungen beeinflusst. Florian Pfaffinger, Zinsexperte beim Kreditvermittler Dr. Klein, erklärte: „Kurzfristige Zins-Dellen ließen sich dann mit guter Vorbereitung nutzen, sollten jedoch keinesfalls die Basis einer Finanzierung darstellen.“ Er rechnet kurzfristig mit einer Seitwärtsbewegung und mittelfristig mit einer leichten Aufwärtstendenz.
Hintergrund sind Schwankungen am Ölmarkt. Ein zeitweise sinkender Ölpreis nach dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran ließ die Inflationssorgen und damit die Renditen von Bundesanleihen kurz fallen. Die militärische Zuspitzung trieb sie jedoch wieder nach oben. Pfaffinger betont: „Eine Drei vor dem Komma ist aktuell definitiv ein attraktives Angebot.“
Anschlussfinanzierung: Drastische Mehrbelastung
Besonders stark betroffen sind Kreditnehmer, deren Zinsbindung ausläuft. Vor zehn Jahren lagen die Bauzinsen bei rund 1,4 Prozent. Eine Auswertung von Immoscout24 zeigt, dass die monatliche Rate bei einer Anschlussfinanzierung massiv steigen kann. Bei einem ursprünglichen Darlehen von 350.000 Euro mit einer Tilgung von einem Prozent betrug die Rate 700 Euro. Nach zehn Jahren verbleibt eine Restschuld von etwa 312.455 Euro. Wird diese nun zu 3,9 Prozent Sollzins und erneut einem Prozent Tilgung finanziert, steigt die Monatsrate auf rund 1.276 Euro – ein Plus von 82 Prozent. „Wer demnächst vor einer Anschlussfinanzierung steht, sollte über eine erneute Immobilienbewertung nachdenken“, rät Gesa Crockford, Geschäftsführerin von Immoscout24. „Ein besserer Beleihungsauslauf kann einen Spielraum für bessere Konditionen schaffen.“
Rabattaktionen und Sonderkonditionen
Trotz des allgemeinen Anstiegs gibt es Möglichkeiten, Zinsen zu drücken. Die ING bietet mehrere Rabatte: Ab einer Darlehenssumme von 450.000 Euro reduziert sich der Zins um bis zu 0,10 Prozentpunkte. Auch für Immobilien mit Energieeffizienzklasse A oder A+ und für energetische Modernisierungen ab 100.000 Euro gibt es Nachlässe. Zudem erhalten Kunden, die ihr Gehaltskonto bei der ING führen, 0,10 Prozentpunkte Rabatt.
Die DKB gewährt beim Kauf einer Bestandsimmobilie 0,10 Prozentpunkte Nachlass, wenn das Finanzierungsvolumen mindestens 250.000 Euro beträgt, maximal 80 Prozent des Kaufpreises finanziert werden und die Immobilie die Energieeffizienzklasse B bis F aufweist. Die Allianz lockt mit einem Zinsabschlag von 0,20 Prozentpunkten bei Kombination mit KfW-Darlehen für energieeffiziente Wohngebäude sowie 0,10 Prozentpunkte, wenn durch Sanierung die Klasse A oder A+ erreicht wird.
Auch die Sparkassentochter 1822direkt hat ihre Zinsen erhöht, bleibt aber im Mittelfeld. Der repräsentative Effektivzins liegt bei 3,85 Prozent für ein Darlehen von 300.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung und zwei Prozent Tilgung. Allerdings berechnet die Bank einen Aufschlag von 0,10 Prozentpunkten, wenn die Immobilie nicht die Energieeffizienzklasse A oder A+ hat. Die PSD Bank Nürnberg bietet mit 3,62 Prozent effektiv weiterhin günstige Konditionen, liegt aber ebenfalls im Aufwärtstrend.
Ausblick
Die Bauzinsen werden nach Einschätzung von Experten in den kommenden Wochen volatil bleiben. Kreditnehmer sollten verschiedene Angebote einholen und sich nicht von kurzfristigen Dellen täuschen lassen. Eine gute Bonität und ein hoher Eigenkapitalanteil bleiben die wichtigsten Stellschrauben für günstige Konditionen. Wer vor einer Anschlussfinanzierung steht, sollte die Möglichkeit einer Neubewertung nutzen, um die Zinslast zu senken.



