Hotel-Investor insolvent: Fördermittel in Greifswald nicht ausgezahlt - Schwerin mit geringerem Schaden
Die Insolvenz des österreichischen Hotel-Investors Udo Chistee hinterlässt unvollendete Bauprojekte in Mecklenburg-Vorpommern, hat die öffentliche Hand jedoch weniger stark belastet als zunächst befürchtet. Sowohl in Greifswald als auch in Schwerin stehen Hotelprojekte des Investors still, nachdem Chistee im November 2025 Konkurs beim Amtsgericht Wels in Oberösterreich angemeldet hat.
Greifswald: 2,7 Millionen Euro Fördermittel nie ausgezahlt
Für das geplante Hotel am Museumshafen in Greifswald wurden 2021 Fördermittel in Höhe von knapp 2,7 Millionen Euro bewilligt. Das Wirtschaftsministerium bestätigte nun auf Anfrage, dass eine Auszahlung dieser Mittel niemals erfolgt ist. Das Projekt, das ursprünglich 100 Zimmer umfassen sollte, liegt seit der Insolvenz des Investors vollständig brach.
Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte Bedauern über das voraussichtlich endgültige Aus: „Es ist nicht optimal gelaufen.“ Gleichzeitig betonte er das Potenzial Greifswalds für ein Hotel dieser Größenordnung, das für Tagungen, wissenschaftliche Einrichtungen und den Tourismus zwischen Rügen und Usedom wichtig wäre.
Schwerin: Teilweise ausgezahlte Fördermittel
Anders als in Greifswald wurden für das Schweriner Luxushotel-Projekt „Le Tresor“ in der ehemaligen Staatsbank der DDR bereits Fördermittel ausgezahlt. Von den bewilligten 2,1 Millionen Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ kamen etwa 1,33 Millionen Euro zur Auszahlung.
Der Bewilligungszeitraum war aufgrund von Verzögerungen durch Denkmalschutzauflagen und Lieferproblemen bis zum 31. März 2026 verlängert worden. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurden jedoch seit der Insolvenz keine weiteren Gelder mehr ausgezahlt. Im Falle eines Insolvenzverfahrens würden die Forderungen zur Insolvenztabelle angemeldet.
Deutsche Tochterfirmen im Insolvenz-Strudel
In den Insolvenz-Strudel gerieten auch deutsche Tochterfirmen des Investors, darunter:
- Die SHC Hotelbesitz GmbH
- Die Grundstücksgesellschaft Hansering A9 mbH mit Sitz in Kuhlen-Wendorf im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Diese Unternehmen waren für die Umsetzung der Hotelprojekte in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich.
Städte suchen nach Lösungen
In Greifswald will die Hansestadt schnell dafür sorgen, dass das Hotelgrundstück am Ryck weiterentwickelt werden kann. Bausenator Achim Lerm bestätigte, dass es bereits Interessenten gibt, die das Projekt übernehmen möchten. „Wir sind in Gesprächen und prüfen, wie mit den Schulden umgegangen werden kann, die der aktuelle Investor auf dem Grundstück hinterlassen hat.“
In Schwerin bedauert die Stadtverwaltung den Stillstand beim „Le Tresor“-Projekt, sieht jedoch keine finanziellen Möglichkeiten, das Gebäude der ehemaligen Staatsbank aus der Privatinsolvenz zu erwerben. Baudezernent Bernd Nottebaum (CDU), der seit dem Rücktritt von Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) kommissarisch die Amtsgeschäfte führt, verwies auf die begrenzten finanziellen Ressourcen der Landeshauptstadt.
Investor zeigt wirtschaftliches Lebenszeichen
Trotz der Insolvenz gibt es ein wirtschaftliches Lebenszeichen von Udo Chistee. Das Amtsgericht Wels hat bekannt gegeben, dass sein Privatunternehmen sowie die AHC International Consulting AG, deren einziger Anteilseigner er bislang war, fortgeführt werden. Diese Entscheidung fiel einen Tag nach der ersten Gläubigerversammlung am 12. Februar. Der Investor selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Konkursverfahren geäußert.
Die unvollendeten Hotelprojekte in beiden Städten verdeutlichen die Risiken von Großinvestitionen im Tourismussektor und die Bedeutung sorgfältiger Prüfungen bei der Vergabe öffentlicher Fördermittel. Während Greifswald durch die nicht erfolgte Auszahlung der Fördermittel vergleichsweise glimpflich davongekommen ist, muss Schwerin den teilweisen Verlust der bereits ausgezahlten Mittel verkraften.



