Nach der Grundsatzeinigung von Eigentümern und Banken auf ein neues Sanierungskonzept für den angeschlagenen Baywa-Konzern müssen nun alle Gläubiger davon überzeugt werden. Bayerns Genossenschaftspräsident Stefan Müller wirbt im Interview mit dem Handelsblatt für das Rettungspaket, das unter anderem einen möglichen Schuldenschnitt und eine geplante, weitere Finanzspritze der Eigentümer vorsieht. „Die Alternative wäre ein Totalschaden gewesen“, sagt Müller.
Bislang lägen die Belastungen für den Genossenschaftssektor noch deutlich unter einer Milliarde Euro, erklärte Müller, der in den letzten Wochen auch die Stimme der genossenschaftlichen Mehrheitseigentümer war. „Wenn wir eines Tages die Aktien vollständig abschreiben müssten – was offen ist, weil wir die künftige Entwicklung nicht kennen – dann könnten wir diese Schwelle vielleicht erreichen.“
CEO-Berufung und Fokus auf Kerngeschäft
Müller forderte die rasche Berufung eines CEOs. „Wir brauchen mehr Leute in der Baywa, die sich um das originäre Geschäft kümmern, nicht nur um die Sanierung.“ Aktuell ist der Posten unbesetzt. Baywa soll sich künftig wieder auf das angestammte Geschäft mit Agrarhandel, Landtechnik und Baustoffen konzentrieren.
Die Baywa war wegen einer ungestümen Expansion in Niedrigzinszeiten an den Rand der Insolvenz geraten. Weil das Geschäft mit erneuerbaren Energien schlechter lief als geplant, mussten Eigentümer und Kreditgeber beim Sanierungskonzept nachbessern.
Kosten der Rettung und Managementfehler
Auf die Frage, ob die Rettung den Genossenschaftssektor einen Milliardenschaden kosten werde, antwortete Müller: „Für den gesamten Genossenschaftssektor in Deutschland und Österreich liegen wir nach heutigem Stand deutlich unterhalb dieser Größenordnung.“ Die genossenschaftlichen Eigentümer hätten bislang rund 550 Millionen Euro über Kapitalerhöhungen und andere Maßnahmen zur Sanierung beigetragen.
Müller räumte Managementfehler ein: „Es sind definitiv Managementfehler gemacht worden.“ Auf die Frage nach der Rolle des Aufsichtsrats sagte er, dass primär der Vorstand für die Geschäftspolitik zuständig sei. Die Prüfung, ob und in welchem Ausmaß der Aufsichtsrat Fehler gemacht habe, laufe noch.
Komplexe Restrukturierung und Zukunft der Baywa
Die Struktur der Baywa sei „die komplexeste Restrukturierung in der Geschichte der Bundesrepublik“, so Müller. Besonders die Tochter Baywa Re sei problematisch: Es habe keine klaren Berichte, verschachtelte Verbindlichkeiten und keinen Beherrschungsvertrag gegeben. Das Erneuerbare-Energien-Geschäft habe in dieser Breite nie wirklich zur Baywa gepasst.
Die Baywa habe bis Ende 2030 Zeit für die Umsetzung der Sanierung. Müller betonte die Notwendigkeit einer klaren Refokussierung auf das Kerngeschäft. Der Verkauf der Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa Re sei weiterhin Bestandteil des Sanierungskonzepts, allerdings nicht mehr mit dem ursprünglich erwarteten hohen Verkaufserlös.
Ausblick und Lehren aus der Krise
Müller zog drei Lehren aus der Krise: Erstens müssten Unternehmen unabhängig von der Eigentümerstruktur genau überlegen, in welchem „Teich“ sie schwimmen wollen. Zweitens solle man sich nicht auf neue Geschäftsfelder oder große Akquisitionen einlassen, solange man im Kerngeschäft nicht sehr gut sei. Drittens müssten Risiken konsequent gemanagt werden – mit einem belastbaren Risikomanagement, das institutionell verankert sei.



