Hitzewelle beschleunigt Ernte um bis zu zwei Wochen
Die Landwirte in Niedersachsen können das Getreide in diesem Jahr zehn bis 14 Tage früher als üblich einholen. Grund dafür ist die Hitzewoche im Juni, die die Reifung der Pflanzen stark beschleunigte. Allerdings hatte die hohe Temperatur nicht nur positive Effekte auf die Qualität der Gerste. Derzeit werden die letzten Flächen im Land abgedroschen.
Unterdurchschnittliche Hektolitergewichte erwartet
„Wir erwarten eine durchschnittliche Ernte, aber mit unterdurchschnittlichen Hektolitergewichten“, berichtet Konrad Westphale, Vorsitzender des Pflanzenausschusses beim Landvolk. Statt der normalen 65 Gramm pro Liter liege man mit etwa 62 Gramm darunter. Bei Spitzentemperaturen von teilweise bis zu 40 Grad Celsius sei die Kornfüllungsphase zu schnell durchlaufen worden. „Die Gerste wird zumeist zu Futter verarbeitet, aber das wird uns beim Weizen wahrscheinlich auch treffen“, sagt der Fachmann. „Da wird sich zeigen, wie viel die Sonne runtergebrannt hat und ob er sich als Backware eignet.“
Weizenqualität entscheidend für Vermarktung
Als Futter werde der Weizen nicht in Massen gebraucht, weil die Tierhaltung abgenommen habe. Bis Mitte August werde voraussichtlich gedroschen. Nach dem Weizen reifen Raps, Soja- und Ackerbohnen und zum Saisonschluss der Mais. Nur Qualität könne am Markt bestehen, betont Westphale. Die Landwirte müssten mit den Naturereignissen leben. Wegen des Klimawandels habe man mit mehr Extremen zu tun. „Die Pflanzen reagieren darauf, es gibt auch andere Unkräuter, weil die Winter nicht mehr so intensiv sind“, berichtet er. Es gebe gute Züchtungsfortschritte bei Trockenresistenzen.
Braugerste profitiert von Regenfällen
Bei der Braugerste wird eine gute Qualität erwartet. Dank der Regenfälle im Mai und Juni mussten die Landwirte deutlich weniger beregnen als in trockenen Jahren. „Der Regen hat Wasser, Energie und Arbeit gespart“, sagt Gerhard Rott, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Niedersächsischen Braugerstenanbaues. Während viele Regionen Deutschlands unter Trockenheit litten, konnten die Braugerstenanbauer in Niedersachsen aufatmen.
Bierabsatz sinkt, Preise unter Druck
Trotzdem sei die Stimmung in den Betrieben verhalten: Weil in Deutschland immer weniger Bier getrunken wird und der Export schwächelt, geraten die Preise für Braugerste unter Druck. Das Statistische Bundesamt bestätigt den langfristig rückläufigen Trend beim Bierabsatz: Demnach setzten die Brauereien und Bierlager im Jahr 2024 insgesamt 13,7 Prozent oder 1,3 Milliarden Liter weniger Bier ab als im Jahr 2014. In der Folge sind auch die Preise für Braugerste unter Druck geraten. Und das, obwohl die deutschen Landwirte die Anbaufläche der Sommerbraugerste laut Bundesbraugerstengemeinschaft im Vergleich zum Vorjahr von 326.000 auf 307.000 Hektar reduziert haben. In Niedersachsen wurden zur Ernte 2026 rund 24.000 Hektar (inklusive 4.500 Hektar Sommergerste in Herbstaussaat) mit Sommerbraugerste bestellt, teilte das Landvolk mit.



