Der Chefökonom des Handelsblatts, Bert Rürup, sieht die deutsche Volkswirtschaft in einer strukturellen Krise, die durch eine neue Form der Globalisierung ausgelöst wird. In einem Gastbeitrag warnt er, dass die aktuelle Stagnation nicht nur eine vorübergehende Flaute sei, sondern tiefgreifende Veränderungen im Welthandel widerspiegele.
Strukturelle Schwächung statt konjunktureller Delle
Rürup zufolge dränge sich bei der Lektüre der aktuellen Konjunkturprognosen der Eindruck auf, die deutsche Wirtschaft befinde sich im Niedergang. Seit Ende 2019 stagniere die wirtschaftliche Gesamtleistung, die Zahl der Arbeitslosen habe wieder die Drei-Millionen-Marke überschritten, und die Insolvenzzahlen erreichten neue Höchststände. Hinzu kämen der Alterungsschub der Bevölkerung und die überbordende Bürokratie.
„Tatsächlich handelt es sich nicht um eine vorübergehende Flaute, sondern um ein strukturelles Problem“, schreibt Rürup. Grund sei eine neue Art der Globalisierung: Die globale Handelsordnung folge nun Regeln, die in Washington und Peking geschrieben würden. Die Folge sei, dass Unternehmen ihre Wertschöpfung in Länder mit niedrigen Energiekosten und günstigen Fachkräften verlagerten.
Trendwachstum nahe Null
Der Standort Deutschland werde strukturell geschwächt. Das Trendwachstum der deutschen Volkswirtschaft, das in vergangenen Dekaden bei etwa 1,5 Prozent gelegen habe, bewege sich inzwischen nahe der Nullmarke. Damit könne Deutschland seine Rolle als Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa nicht mehr ausfüllen.
Immerhin scheine die Politik verstanden zu haben, dass es gezielte Erneuerung brauche, um aus dieser Stagnation herauszufinden. Konkrete Maßnahmen nennt Rürup in seinem Beitrag jedoch nicht.



