Die USA setzen ihre Luftangriffe auf Ziele im Iran fort, während der Iran seinerseits zwei Tanker in der Straße von Hormus mit Marschflugkörpern attackiert hat. Bei dem Angriff auf die Schiffe der mit den USA verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate wurde nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums ein indisches Besatzungsmitglied getötet, acht weitere wurden verletzt, vier davon schwer. Die Verletzten sind sechs Inder und zwei Ukrainer. An Bord beider Tanker brachen Brände aus, die jedoch unter Kontrolle gebracht werden konnten. Das Verteidigungsministerium der Emirate bezeichnete den Angriff als „schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts“ und behielt sich eine Reaktion auf die Eskalation vor.
Iranische Revolutionsgarden greifen US-Luftwaffenbasis in Jordanien an
Die iranischen Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben einen US-Luftwaffenstützpunkt in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen. In einer von der Nachrichtenagentur Fars veröffentlichten Erklärung rief die militärische Eliteeinheit die jordanische Bevölkerung dazu auf, die US-Militärbasen in ihrem Land niederzureißen. Zugleich betonten die Revolutionsgarden, sie hegten keine Feindschaft gegen Jordanien, sondern liebten das jordanische Volk, „das den Schmerz und die Unterdrückung der Palästinenser besser als jede andere Nation“ verstehe.
Zuvor hatte der Iran bereits US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait angegriffen sowie Radarsysteme in Oman zerstört und Treibstofftanks sowie Munitionsdepots auf dem Luftwaffenstützpunkt Prinz Hassan in Jordanien getroffen. In Bahrain wurde am Montag dreimal Luftalarm ausgelöst.
Erneut Sirenengeheul in Bahrain und Kuwait
Nach den erneuten US-Angriffen auf Ziele im Iran heulten in Bahrain und Kuwait wieder die Alarmsirenen. Das Innenministerium Bahrains rief die Einwohner über die Plattform X auf, ruhig zu bleiben und Schutz zu suchen. Der Generalstab der Armee in Kuwait berichtete, dass feindliche Luftziele bekämpft werden. Auch Jordaniens Nachrichtenagentur Petra meldete, dass vier Raketen aus dem Iran abgefangen worden seien; es habe keine Opfer oder Schäden gegeben.
Berichte über Explosionen im Iran
Iranische Medien meldeten in der Nacht mehrfache Explosionen an der Südküste der Islamischen Republik. Laut der Nachrichtenagentur Fars und dem Sender Press TV gab es Detonationen auf der Insel Kisch am Persischen Golf, in der Nähe der Hafenstadt Buschehr, auf der Insel Qeschm in der Straße von Hormus sowie in der Großstadt Bandar Abbas. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor in einem Radiointerview angekündigt, dass das US-Militär den Iran erneut attackieren und hart treffen werde. Kurz darauf begann das US-Militär die dritte Nacht in Folge mit Angriffen, um die Fähigkeit des Iran einzuschränken, Handelsschiffe in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormus zu attackieren.
Trump droht mit Angriff auf Tunnelsystem und kündigt Seeblockade an
US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit einem Angriff auf das stark befestigte Tunnelsystem im Berg Kuh-e Kolang. „Wir werden Pickaxe Mountain ausschalten“, sagte Trump in einem Radiointerview und verwendete damit den in den USA gebräuchlichen Namen. Die Anlage nahe dem beschädigten Atomkomplex Natans liegt Experten zufolge so tief unter der Erde, dass sie selbst von den stärksten bunkerbrechenden US-Bomben kaum zerstört werden kann.
Zudem kündigte Trump die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe an, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. Allen anderen Ländern solle ein „fairer und offener“ Zugang zur Meerenge möglich sein. Die USA werde von nun an als „Hüter der Straße von Hormus“ bekannt sein, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Dafür verlange er eine Gebühr von 20 Prozent auf alle Güter, die durch die Straße von Hormus befördert werden. Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO wies diese Pläne jedoch zurück und erklärte, für eine solche Abgabe gebe es keine rechtliche Grundlage. Vertreter der Schifffahrtsbranche äußerten sich besorgt und erklärten, ein solcher Schritt verstoße nach ihrer Einschätzung gegen Völkerrecht.
E3-Staaten verurteilen iranische Angriffe
Deutschland, Frankreich und Großbritannien verurteilten „die ruchlosen Angriffe Irans auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus und auf Länder in der Region, darunter Katar, Kuwait, Oman und Jordanien“. In einer Erklärung der E3 genannten europäischen Staaten hieß es weiter: „Die Achtung der Souveränität über Küstenmeere sowie die Freiheit der Schifffahrt sind grundlegende Prinzipien des Völkerrechts.“ Zugleich forderten die drei Staaten die „Wiederherstellung des Waffenstillstands und die Wiederaufnahme der Verhandlungen“ zwischen den USA und dem Iran.
Bundesaußenminister Johann Wadephul mahnte die sofortige Freigabe der Straße von Hormus an und forderte vom Iran ein Ende der Angriffe. „Der Iran muss das unterlassen“, sagte Wadephul vor Beginn von Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel. Die USA und der Iran müssten „jetzt sehr schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren, besser gesagt, endlich effektive bilaterale Verhandlungen aufnehmen“, forderte der Minister.
Ölpreis steigt aufgrund der Eskalation
Die zunehmenden Kämpfe im Persischen Golf ließen die Ölpreise in die Höhe schnellen. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 3,3 Prozent auf 78,50 Dollar. US-Leichtöl legte um 3,4 Prozent auf 73,83 Dollar zu. Die Behauptung des Iran, die wichtige Straße von Hormus geschlossen zu haben, schürte weltweit Inflationsrisiken.
Das US-Zentralkommando Centcom teilte jedoch mit, die Straße von Hormus sei weiterhin „offen für alle Tanker, die die Straße durchqueren wollen“, und dass „die Durchfahrt gebührenfrei bleibt“. Der Iran kontrolliere die Wasserstraße nicht. „Der Verkehr fließt weiterhin“, hieß es weiter. Trump bestätigte dies in einem Interview bei der NBC-Sendung „Meet the Press“.



