Wachstum unter den Erwartungen
Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 deutlich langsamer gewachsen als von Analysten vorhergesagt. Wie das Staatliche Statistikamt am Mittwoch in Peking mitteilte, betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum April bis Juni lediglich 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit blieb die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den Prognosen zurück, die im Schnitt bei etwa 4,8 Prozent gelegen hatten.
Exporte als Stütze, Binnenwirtschaft schwächelt
Maßgeblich gestützt wurde das Wachstum durch den Außenhandel. Das Statistikamt bezeichnete die Entwicklung der Exporte als „prächtig“. Laut Daten der chinesischen Zollbehörde vom Dienstag stiegen die Ausfuhren allein im Juni um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Belastend wirkten sich hingegen die weiterhin schwache Inlandsnachfrage sowie der Energiepreisschock aus, der durch den Irankrieg ausgelöst wurde. Die privaten Konsumausgaben blieben hinter den Erwartungen zurück, und die Industrieproduktion verlangsamte sich.
Offizielle Kommunikation fokussiert auf Halbjahreszahl
Auffällig war die Art und Weise, wie das Statistikamt die Daten präsentierte. In der Veröffentlichung wurde vor allem das Wachstum für das gesamte erste Halbjahr von 4,7 Prozent hervorgehoben. Die schwächeren Zahlen für das zweite Quartal fanden sich lediglich in den Anmerkungen im unteren Teil der Mitteilung. Auch die staatlichen Medien wie CCTV und Xinhua erwähnten das geringe Wachstum im zweiten Quartal zunächst nicht. Dies nährt Zweifel an der Transparenz der offiziellen Statistik. Die chinesische Regierung hatte im März ein Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent für das Gesamtjahr 2026 ausgegeben. Die Entwicklung im zweiten Quartal liegt mit 4,3 Prozent unterhalb dieser Vorgabe.
K-förmige Entwicklung: Gewinner und Verlierer
Ökonomen beobachten in China bereits seit längerem eine sogenannte K-förmige wirtschaftliche Entwicklung. Während Zukunftsbranchen wie Elektroautos und Robotik stark wachsen, schrumpfen einstige Wachstumstreiber wie die Bauindustrie. Die Zuwächse in den neuen Feldern können den Rückgang in traditionellen Branchen bislang nicht kompensieren. So stiegen die Produktion von Elektrofahrzeugen und die Investitionen in Hochtechnologie zwar zweistellig, doch der Immobiliensektor leidet weiterhin unter einer anhaltenden Krise. „Die Strukturveränderung der chinesischen Wirtschaft ist in vollem Gange, aber der Übergang ist schmerzhaft“, kommentierte ein Ökonom der Bank of China.
Ausblick und Risiken
Die Aussichten für die zweite Jahreshälfte bleiben verhalten. Der anhaltende Energiepreisschock und die schwache globale Nachfrage könnten das Exportwachstum bremsen. Zudem belasten geopolitische Spannungen die Handelsbeziehungen. Die chinesische Regierung hat bereits zusätzliche Konjunkturmaßnahmen angekündigt, darunter Zinssenkungen und Steuererleichterungen für Unternehmen. Ob diese ausreichen, um das Jahresziel zu erreichen, bleibt fraglich. Experten erwarten für das Gesamtjahr ein Wachstum von etwa 4,5 Prozent, was am unteren Ende der Zielspanne läge.



