Die aktuelle Berichtssaison der Unternehmen zeigt ein gemischtes Bild: Während einige Konzerne wie Vodafone und AstraZeneca positiv überraschen, kämpfen andere wie Volkswagen und Tesla mit Herausforderungen. Der Newsblog fasst die wichtigsten Quartalsergebnisse und Ausblicke zusammen.
Vodafone: Deutschland-Geschäft erholt sich
Der Telekomkonzern Vodafone verzeichnet im zweiten Quartal einen Aufschwung. Die Serviceumsätze stiegen um knapp zehn Prozent auf 8,63 Milliarden Euro, wobei die Deutschland-Tochter nach einem schwachen Vorquartal wieder zulegte – ein Plus von rund zwei Prozent auf 2,74 Milliarden Euro. Der operative Konzerngewinn erhöhte sich um 6,7 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Vorstandschefin Margherita Della Valle zeigte sich optimistisch: „Wir sind gut in das Geschäftsjahr gestartet.“ Deshalb erwarte sie ein Gesamtjahresergebnis am oberen Ende der Spanne. Für 2026/2027 stellte Vodafone ein Betriebsergebnis von 13 bis 13,3 Milliarden Euro und einen Free Cashflow von 2,6 bis 2,9 Milliarden Euro in Aussicht – inklusive Effekte aus der Mehrheitsübernahme an Safaricom. Die Aktie legte im Frühhandel um rund drei Prozent zu.
AstraZeneca: Krebsmedikamente treiben Gewinn
Der britische Pharmakonzern AstraZeneca profitierte im zweiten Quartal von einer starken Nachfrage nach Medikamenten gegen Krebs und seltene Krankheiten. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg währungsbereinigt um 18 Prozent auf 2,63 Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen von 2,48 Dollar. Der Umsatz legte um fünf Prozent auf 15,38 Milliarden Dollar zu. Trotz des jüngsten Fehlschlags einer klinischen Studie zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich und bestätigte die Prognose für 2026: Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im niedrigen zweistelligen Prozentbereich steigen, der Umsatz im mittleren bis hohen einstelligen Bereich. Im Vorjahr hatte AstraZeneca ein Umsatzplus von etwa acht Prozent und ein Gewinnplus von elf Prozent erzielt.
Münchener Rück: Naturkatastrophen belasten weniger
Der Rückversicherer Münchener Rück erzielte im zweiten Quartal einen überraschend hohen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Euro, nach 2,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Grund dafür waren geringere Schäden durch Naturkatastrophen und andere Großereignisse. Analysten lagen mit ihren Prognosen deutlich darunter. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer bestätigte seine Jahresprognose.
Porsche und VW: Gegensätzliche Entwicklungen
Der Sportwagenbauer Porsche AG steigerte sein operatives Ergebnis im ersten Halbjahr trotz eines Absatzrückgangs um ein Drittel auf 1,35 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,01 Milliarden). Dies geht aus den Zahlen des VW-Konzerns hervor. Der VW-Konzern selbst verzeichnete jedoch einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal: Das Konzernergebnis nach Steuern sank um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro.
Weitere Unternehmen im Überblick
SAP: Der Softwarekonzern senkte nach zwei Zukäufen seinen Ausblick für das operative Ergebnis 2026 auf ein Wachstum von 13 bis 17 Prozent (zuvor 14 bis 18 Prozent). Der Cloudumsatz zog im zweiten Quartal um 22 Prozent an, der Gesamtumsatz stieg um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro.
Intel: Der Chipkonzern profitierte vom KI-Boom und steigerte den Quartalsumsatz um ein Viertel auf 16,1 Milliarden Dollar – das schnellste Wachstum seit Jahren. Analysten hatten nur mit 14,4 Milliarden Dollar gerechnet.
Dow: Der US-Chemiekonzern verzeichnete dank gestiegener Kunststoffpreise infolge des Nahost-Kriegs ein starkes Quartal. Der Umsatz kletterte um 20 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar, der bereinigte operative Gewinn stieg von 703 Millionen auf 2,3 Milliarden Dollar.
T-Mobile US: Die Deutsche-Telekom-Tochter hob ihre Prognose an, da 60 Prozent der Neukunden Premium-Tarife wählen. Der operative Gewinn übertraf mit 9,54 Milliarden Dollar die Analystenprognosen. Finanzchef Jon Freier rechnet nun mit einem Free Cashflow von 18,4 bis 18,8 Milliarden Dollar.
Jungheinrich: Der Gabelstapler-Hersteller senkte trotz anziehenden Geschäfts seine Gewinnprognose für 2026 aufgrund von Streikfolgen, höheren Materialkosten und scharfer Konkurrenz. Die Aktie verlor 5,6 Prozent.
TotalEnergies: Der französische Energiekonzern profitierte von der Ölpreisrallye durch den Iran-Krieg. Der bereinigte Nettogewinn sprang um 67 Prozent auf sechs Milliarden Dollar – das beste Quartalsergebnis seit fast drei Jahren.
Vossloh: Der Bahntechnik-Konzern senkte seine Prognose, macht aber Hoffnung auf 2027. Der Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr um fast ein Drittel auf einen Rekordwert von 828,5 Millionen Euro.
Easyjet: Der Billigflieger leidet unter hohen Kerosinkosten und einem Last-Minute-Buchungstrend. Der Vorsteuergewinn brach um 70 Prozent auf 85 Millionen Pfund ein.
BNP Paribas: Die Großbank übertraf die Erwartungen mit einem Nettogewinn von 4,35 Milliarden Euro, ein Plus von einem Drittel. Der Aktienhandel und die Erholung im Privatkundengeschäft trugen dazu bei.
Traton: Der Lkw-Bauer wurde durch die anziehende Nachfrage in den USA optimistischer und hob die Renditeprognose an. Der Auftragseingang in Nordamerika stieg um 141 Prozent.
Nokia: Der Netzwerkausrüster übertraf die Markterwartungen beim operativen Ergebnis klar. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, angetrieben durch das Geschäft mit Rechenzentren.
Hyundai: Der südkoreanische Autobauer verfehlte die Gewinnerwartungen. Der operative Gewinn sank um fast 21 Prozent, der Umsatz stieg auf Rekordniveau.
STMicroelectronics: Der Chipkonzern erwartet für das dritte Quartal steigende Erlöse, gestützt durch die KI-Nachfrage. Der Umsatz soll rund 3,7 Milliarden Dollar erreichen.
Nestlé: Der Nahrungsmittelriese verzeichnete ein beschleunigtes Wachstum. Die Verkaufsmengen stiegen um 1,8 Prozent, das organische Wachstum betrug 3,7 Prozent. Zudem bringt Nestlé sein Wassergeschäft in ein Joint Venture ein.
Unicredit: Die italienische Bank übertraf die Gewinnerwartungen und hob die Prognose an. Der Nettogewinn lag bei 2,91 Milliarden Euro, der Vorstandschef Andrea Orcel stellt einen Jahresgewinn deutlich über 11 Milliarden Euro in Aussicht.
Kühne+Nagel: Der Logistikkonzern hob nach starkem zweiten Quartal seine Gewinnprognose an und erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,35 bis 1,55 Milliarden Franken. Vor allem die Luftfracht profitierte.
Roche: Der starke Schweizer Franken bremste das Wachstum. Der Umsatz fiel um zwei Prozent auf 30,36 Milliarden Franken, währungsbereinigt stieg er jedoch um sechs Prozent. Der Ausblick wurde bestätigt.
Alphabet: Die Google-Mutter wuchs stärker als erwartet. Der Umsatz legte um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar zu, getrieben durch das Cloud-Geschäft. Der Quartalsgewinn stieg auf 112,1 Milliarden Dollar, unter anderem durch Wertsteigerungen bei SpaceX.
Tesla: Der Elektroauto-Hersteller steigerte den Umsatz um 26 Prozent auf knapp 28,24 Milliarden Dollar, verfehlte aber die Gewinnerwartungen beim bereinigten Ergebnis pro Aktie (33 Cent statt erwarteter 51 Cent).
IBM: Nach enttäuschenden Zahlen kappte IBM die Jahresziele. Der Umsatz soll nun nur um vier bis fünf Prozent statt mehr als fünf Prozent wachsen. Die Aktie erholte sich nachbörslich um zwei Prozent.



