Tempolimit auf Autobahnen könnte 90 Leben pro Jahr retten
Tempolimit auf Autobahnen könnte 90 Leben pro Jahr retten

Eine neue Metastudie der Unfallforschung der Björn Steiger Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen jährlich bis zu 90 Menschenleben retten könnte. Der Leiter der Unfallforschung, Siegfried Brockmann, erklärte gegenüber der dpa: „Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde wären es 25 bis 30 Prozent weniger Getötete auf Bundesautobahnen, das entspricht etwa 70 bis 90 Menschen.“ Zwar mache dies nur drei Prozent aller Unfalltoten in Deutschland aus, für eine einzelne Maßnahme sei dies jedoch eine beachtliche Wirkung.

Hintergrund der Studie

In Deutschland gibt es bislang kein generelles Tempolimit auf Autobahnen, anders als in den meisten anderen Ländern. Laut Statistischem Bundesamt starben 2025 insgesamt mehr als 2800 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen, davon 292 auf Autobahnen. Brockmann betonte: „Ein Tempolimit hätte positive Effekte auf die Verkehrssicherheit.“ Nahezu alle anderen Staaten verfügten über verbindliche Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen. Die höchsten regulären Tempolimits in Europa finden sich in Polen (140 km/h) sowie auf einzelnen Pilotstrecken in Tschechien (150 km/h).

Internationale Erfahrungen

Untersuchungen aus Österreich, den Niederlanden und den USA zeigen der Studie zufolge deutliche Rückgänge bei schweren Unfällen und Verkehrstoten, wenn die Geschwindigkeit begrenzt wird. Für Deutschland fehlen laut Brockmann jedoch vergleichende Studien. Es gebe zwar ältere Untersuchungen, etwa aus dem Jahr 1977 oder aus Brandenburg zwischen 2000 und 2006, sowie Einschätzungen des Umweltbundesamts. Diese ließen sich aber nur begrenzt auf die heutigen Verhältnisse übertragen. Brockmann stützte seine Metastudie daher unter anderem auf andere Untersuchungen und KI-Modelle.

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Forderung nach Teststrecken

Der Unfallforscher sprach sich dafür aus, die Wirkung von Tempolimits ein Jahr lang auf Autobahnen zu testen oder Versuchsstrecken mit unterschiedlichen Limits einzuführen. Dafür sei jedoch die Zustimmung des Bundesverkehrsministeriums erforderlich, das ein generelles Tempolimit bislang ablehnt. Auch der ADAC befürwortet solche Versuche: „Möglichkeiten und Grenzen eines Tempolimits für die Verkehrssicherheit und den Klimaschutz sollten untersucht werden.“ Der Automobilclub weist darauf hin, dass Autobahnen die sichersten Straßen in Deutschland seien – dort würden etwa ein Drittel aller Kraftfahrzeugkilometer gefahren, aber nur zehn Prozent der Verkehrstoten verzeichnet. Ein generelles Tempolimit sei ein polarisierendes Thema, die Zustimmung in der Bevölkerung steige jedoch seit Jahren.

Positive Nebeneffekte

Brockmanns Untersuchung geht nicht davon aus, dass mehr Fahrzeuge auf Landstraßen ausweichen würden, da die Autobahn die schnellste Verbindung bleibe und gleichwertige Alternativrouten fehlten. Experten erwarten zudem nicht mehr Staus, sondern eine verlässlichere Reisezeit. „Unfallbedingte Sperrungen und Umleitungen würden seltener“, so Brockmann. Für Schnellfahrer ergäbe sich eine längere Fahrzeit auf freien Strecken, die sich jedoch auf das gesamte Netz gesehen relativiere, weil bei dichtem Verkehr ohnehin nicht schnell gefahren werden könne.

Hinzu kommt der Umweltaspekt: Nach Berechnungen des Umweltbundesamts ließen sich mit einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts insgesamt 2,7 Prozent der Emissionen des Straßenverkehrs einsparen. Ein Tempolimit könnte zudem den Spritverbrauch und damit den Preis dämpfen. Die meisten Autofahrer fahren zwar selten schneller als 130 km/h, doch es gibt Ausreißer – wie das Ranking der deutschen Raserstrecken zeigt.

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