Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) über den Leitzins. Der Beschluss wird auch den Bitcoin-Kurs beeinflussen, wie eine Auswertung des Finanzdienstleisters Bitcoin Suisse zeigt. Demnach reagiert Bitcoin an Fed-Zinstagen im Median rund doppelt so stark wie an den Entscheidungstagen der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Grund: Bitcoin wird überwiegend in US-Dollar gehandelt und ein Großteil der institutionellen Investoren sowie der Handelsinfrastruktur befindet sich in den USA.
Dominic Weibel, Forschungsleiter bei Bitcoin Suisse, erklärt: „Die letzten Zinsentscheide zwischen 2021 und 2026 zeigen, dass sich Bitcoin an Fed-Terminen im Median rund doppelt so stark wie an EZB-Terminen bewegte.“ Die US-Geldpolitik beeinflusst die Finanzierungskosten in Dollar und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Steigende Renditen bei sicheren Anlagen machen riskante Assets wie Bitcoin weniger attraktiv, während Zinssenkungen zusätzliche Liquidität in den Markt bringen können.
Einfluss der Fed auf den Bitcoin-Kurs
Die Fed-Sitzung findet vor dem Hintergrund der jüngsten Ankündigung von US-Präsident Donald Trump statt, eine Krypto-Währungsreserve einzuführen – ein „digitales Fort Knox“. Heute empfängt Trump Branchenvertreter im Weißen Haus, um über die Deregulierung des Krypto-Sektors zu sprechen. Experten erwarten, dass die Fed den Leitzins unverändert lässt, doch die Prognosen sind unsicher. Eine überraschende Zinssenkung könnte Bitcoin Auftrieb geben, da Anleger dann weniger Rendite bei Staatsanleihen erhalten und nach risikoreicheren Alternativen suchen.
Hält die Fed die Zinsen dagegen hoch oder signalisiert weitere Straffungen, könnte dies den Kryptomarkt belasten. Höhere Finanzierungskosten verringern die Risikobereitschaft, und verzinste Anlagen bleiben attraktiv. Die Märkte achten nicht nur auf den Zinsschritt selbst, sondern auch auf die Bewertung von Inflation und Konjunktur durch die Fed. Der jüngste geldpolitische Bericht der Notenbank zeigt, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem Ziel von zwei Prozent liegt, was den Spielraum für Senkungen begrenzt.
Langfristige Perspektive für Bitcoin
Weibel verweist auf geopolitische Risiken: Höhere Energiepreise und störanfällige Lieferketten könnten die Inflation in Europa und den USA hoch halten und Zinssenkungen erschweren. „Für Risikoanlagen wie Bitcoin bedeutet das kurzfristig Gegenwind“, sagt der Experte. Langfristig könnte jedoch die begrenzte Menge von Bitcoin – maximal 21 Millionen – in den Fokus rücken, wenn die Inflation anhält. Befürworter sehen Bitcoin als digitales Gold, das vor Kaufkraftverlust schützt.
Eine Studie des Internationalen Währungsfonds bestätigte, dass eine straffere US-Geldpolitik den Kryptomarkt belasten kann. Die Forscher fanden zudem, dass Kryptowährungen stärker auf Konjunkturschwankungen reagieren als Aktien – sie bieten keinen Schutz vor solchen Schwankungen. Für die anstehende Fed-Sitzung ist daher vor allem der Ausblick auf die kommenden Monate entscheidend. Die Signale der Notenbank könnten für Bitcoin wichtiger sein als der einzelne Zinsschritt.
Quellen: The Crypto Cycle and US Monetary Policy (IMF Working Paper WP/23/163); Monetary Policy Report – July 2026 (Board of Governors of the Federal Reserve System); Marktkommentar von Dominic Weibel, Head of Research bei Bitcoin Suisse (Juli 2026).



