Deutsche Bahn: Pünktlichkeit, Schulden und Konkurrenz als Herausforderungen
Bahn kämpft mit Pünktlichkeit, Schulden und neuer Konkurrenz

Die Deutsche Bahn steht vor enormen Herausforderungen: Die Pünktlichkeit liegt im Keller, die Schulden steigen, und ab 2028 droht Wettbewerb im Fernverkehr durch Italo und Flixtrain. Zwar konnte der Konzern im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 147 Millionen Euro verbuchen, doch die strukturellen Probleme bleiben bestehen.

Pünktlichkeit: Nur jeder zweite Zug kommt rechtzeitig

Im Juni 2026 erreichten lediglich 52,6 Prozent der Fernverkehrshalte ihr Ziel mit maximal 5:59 Minuten Verspätung. Ausgefallene Züge sind in dieser Statistik nicht enthalten. Die Bahn hatte für das Gesamtjahr eine Pünktlichkeit von mindestens 60 Prozent angepeilt – ein Wert, der nach den aktuellen Zahlen kaum noch erreichbar scheint. Als Hauptgrund nennt der Konzern die marode Infrastruktur und die Vielzahl an Baustellen, die das Netz sanieren sollen.

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte das Ziel ausgegeben, bis Ende 2029 eine Pünktlichkeit von 70 Prozent zu erreichen. Sein Nachfolger Steffen Bilger (CDU) hält sich bedeckt: „Ich bitte um Verständnis – jetzt bin ich noch nicht mal 24 Stunden im Amt –, dass ich jetzt keine Ankündigungen machen möchte, die vielleicht nicht realistisch sind“, sagte er im ntv Frühstart.

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Finanzielle Lage: Gewinn im ersten Halbjahr, aber Schulden steigen

Nach einem Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025 zeigte das erste Halbjahr 2026 eine leichte Erholung: Unter dem Strich stand ein Plus von 147 Millionen Euro, das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) lag bei 415 Millionen Euro. Dennoch bleibt die finanzielle Situation angespannt. Die Schulden des Staatskonzerns stiegen um rund eine Milliarde Euro auf 21,6 Milliarden Euro. Zudem ist absehbar, dass der Bund in den kommenden Jahren weniger Geld zur Verfügung stellen wird.

Trotz der Probleme steigen die Fahrgastzahlen: Mehr als 960 Millionen Reisende nutzten in der ersten Jahreshälfte 2026 die Züge der Deutschen Bahn – ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Netzzustand: Besserung frühestens in den 2030er Jahren

Die Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Infrastruktur zum 200-jährigen Bestehen der Eisenbahn in Deutschland im Jahr 2035 wieder in einem guten Zustand ist. „Eine Bahn, die stolz macht, ist keine Utopie, sondern Anspruch und Ansporn für jeden Tag“, sagte Bahnchefin Evelyn Palla kürzlich. Allerdings fehlt es an einer verlässlichen Finanzierung. Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz Pro Schiene, kritisiert: „Der Bund muss endlich eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen, wie es etwa in der Schweiz seit vielen Jahren der Fall ist.“

Laut einer Berechnung des Verbands investierte der Bund 2025 etwas mehr als 220 Euro pro Kopf in die Schieneninfrastruktur. Für 2026 wird ein leichter Anstieg erwartet, doch die aktuellen Haushaltspläne sehen für 2027 eine Kürzung um 1,3 Milliarden Euro vor. Der neue Verkehrsminister Bilger will sich nicht auf zusätzliche Mittel festlegen: „Ich kann jetzt nicht als neuer Minister sagen, ich will einfach mehr, wenn es nicht möglich sein sollte.“

Konzernumbau unter Palla: Erste Erfolge, aber Stellenabbau

Evelyn Palla treibt die Strategie „DB 2035“ voran, die unter anderem einen Kulturwandel, mehr Verantwortung in der Fläche und einen Fokus auf das Kerngeschäft vorsieht. „Für den Erfolg brauchen wir eine Leistungskultur, in der sich Leistung und Verantwortung lohnen“, so Palla. Die Halbjahreszahlen wertete sie als ersten Erfolg: „Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Meilenstein, aber ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt.“

Besonders angespannt ist die Lage bei DB Cargo. Die Güterverkehrssparte muss bis 2026 langfristig schwarze Zahlen schreiben, sonst drohen Eingriffe der EU-Kommission. Cargo-Chef Bernhard Osburg plant den Abbau von 6200 Stellen in Deutschland. Im ersten Halbjahr verfehlte die Sparte das operative Ziel knapp (minus eine Million Euro).

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Konkurrenz im Fernverkehr: Italo und Flixtrain kommen

Ab 2028 will das italienische Unternehmen Italo in den deutschen Fernverkehr einsteigen, und auch Flixtrain hat eine Offensive mit neuen Zügen angekündigt. Die Bundesnetzagentur hat zudem entschieden, dass Wettbewerber auf stark belasteten Strecken mehr Trassenkapazität erhalten – zulasten der Deutschen Bahn. Der Konzern warnt, dass dadurch weniger profitable Linien mit Halten in kleineren Städten gefährdet sein könnten. Ob die Fahrgäste letztlich von niedrigeren Preisen oder nur von einem unübersichtlicheren Angebot profitieren, bleibt abzuwarten.

Streiks vorerst vom Tisch

Die Tarifverträge mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) laufen bis Ende 2027. Die Friedenspflicht mit der GDL gilt sogar noch etwas länger. Für die Bahn bedeutet das Planungssicherheit: Überraschungen durch Arbeitskämpfe sind in den nächsten Jahren nicht zu erwarten.