Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX steht vor einem historischen Börsengang. Das Unternehmen erwägt, bis zu 30 Prozent der Aktienemission im Volumen von 75 Milliarden Dollar für Privatanleger unter anderem in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz zu reservieren. Banken berichten von einem beispiellosen Interesse. Doch Experten warnen vor den Risiken für Privatanleger.
Hohe Bewertung und Verluste
Im Zentrum der Bedenken steht die anvisierte Firmenbewertung von 1,75 Billionen Dollar. „Es handelt sich um ein Unternehmen, das enorme Verluste macht“, sagt der Ökonom Meziane Lasfer von der Londoner Bayes Business School. Bei dem Kurs, zu dem es an den Markt kommt, liege das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei 100, was extrem hoch sei. Normalerweise gelte ein Verhältnis von etwa zwei bis drei als sehr gut, so Lasfer.
Geringer Streubesitz und fehlende Stimmrechte
Zudem berge der geringe Streubesitz von weniger als fünf Prozent sowie das Fehlen von Stimmrechten Gefahren. Auch zwei weitere Wissenschaftler und ein Verbraucherschützer rieten Privatanlegern zur Vorsicht. SpaceX-Chef Elon Musk hatte am Donnerstag erklärt, er habe ein gutes Gefühl bei den Umsatzprognosen. Die Einnahmen seien viel berechenbarer geworden.
Bedeutung für den europäischen Kapitalmarkt
Für den europäischen Kapitalmarkt gilt der Börsengang als wichtiger Test. Der Anteil des in Wertpapieren gehaltenen Vermögens in Privathaushalten liegt in der Europäischen Union bei lediglich 17 Prozent, verglichen mit 43 Prozent in den USA. Die Beteiligung von Privatanlegern an Börsengängen ist in Europa in den vergangenen Jahren selten geworden. Bei den 15 größten britischen Börsengängen im Jahr 2021 gab es nur bei dem Essenslieferanten Deliveroo eine Tranche für Privatanleger. Dessen Aktienkurs war am ersten Handelstag um bis zu 30 Prozent eingebrochen.
Vergleich mit KI-Unternehmen
Auch bei derzeit hoch bewerteten KI-Unternehmen wie Anthropic oder OpenAI warnen Experten vor den Risiken geplanter Börsengänge. Der Börsengang von SpaceX wird daher von vielen Marktbeobachtern genau verfolgt. Privatanleger sollten die Risiken sorgfältig abwägen, bevor sie in die Aktie investieren.



