Eigenanteil für Pflegeheim steigt auf 3364 Euro pro Monat
Eigenanteil für Pflegeheim steigt auf 3364 Euro

Die finanziellen Belastungen für Pflegebedürftige in Heimen steigen weiter. Zum 1. Juli 2026 lag der durchschnittliche monatliche Eigenanteil im ersten Heimjahr bundesweit bei 3364 Euro – das sind 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als ein Jahr zuvor, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) ergab.

Regionale Unterschiede und Kostenbestandteile

Bundesweit gibt es erhebliche regionale Unterschiede. Am teuersten war die Pflege im ersten Jahr in Bremen mit durchschnittlich 3761 Euro pro Monat, gefolgt vom Saarland mit 3695 Euro. Nur in Sachsen-Anhalt lag die Belastung mit 2891 Euro unter der 3000-Euro-Schwelle.

Der Eigenanteil setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: einem Anteil für die reine Pflege und Betreuung (den die Pflegeversicherung nicht vollständig übernimmt), Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitionen in den Einrichtungen sowie Umlagen für Ausbildungskosten. Der Ausgangswert für die reine Pflege stieg im Bundesschnitt auf 2088 Euro monatlich – 226 Euro mehr als im Juli 2025.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kostentreiber Personal und steigende Nebenkosten

Hauptgrund für den Anstieg sind gestiegene Personalausgaben für Pflegekräfte. Seit 2022 dürfen Heime nur noch Verträge mit den Pflegekassen schließen, wenn sie nach Tarif oder ähnlich bezahlen. Auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung stiegen: Im Schnitt sind nun 1086 Euro pro Monat fällig, 50 Euro mehr als im Vorjahr.

Verbandschefin Ulrike Elsner sagte: „Es gab Nachholbedarf, und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt.“ Sie forderte eine Begrenzung des Kostenanstiegs und eine faire Lastenteilung in der anstehenden Pflegereform.

Geplante Reform: Entlastungen abgeschwächt

Die Bundesregierung arbeitet an einer Pflegereform, die jedoch aufgrund der Finanznöte der Pflegekassen die Entlastungen bei den Eigenanteilen abschwächen soll. Bislang sinkt der Eigenanteil für die reine Pflege mit der Aufenthaltsdauer: um 15 Prozent im ersten Jahr, 30 Prozent im zweiten, 50 Prozent im dritten und 75 Prozent ab dem vierten Jahr. Laut einem Entwurf sollen die Spannen, bis die nächsthöhere Stufe greift, von 12 auf 18 Monate verlängert werden. Dies soll die Pflegekassen im nächsten Jahr um 2,6 Milliarden Euro entlasten.

Zudem ist geplant, die generelle Vorgabe zur Tarifbezahlung von Pflegekräften ab Anfang 2027 für vier Jahre auszusetzen. Hintergrund ist das erwartete Defizit der Pflegeversicherung von 7,6 Milliarden Euro für 2027. Insgesamt wird ein Finanzbedarf von 11,2 Milliarden Euro gesehen, auch wegen der schwachen Wirtschaftslage.

Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen

Gesundheitsministerin Nina Warken hatte Anfang Juni einen Entwurf vorgelegt, um allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden. Allerdings soll der Beitrag für Kinderlose leicht auf 4,3 Prozent steigen. Bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern sind Einschränkungen geplant, und die Voraussetzungen für die Einstufung in einen Pflegegrad sollen tendenziell angehoben werden. Auch Kürzungen bei den Rentenbeitragszahlungen für pflegende Angehörige sind vorgesehen.

Patientenvertreter und Sozialverbände fordern seit Jahren Entlastungen von den immer höheren Zuzahlungen. Eine „Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile“ stand als Prüfauftrag für eine Kommission im schwarz-roten Koalitionsvertrag.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration