Verbraucherschützer schlagen Alarm: Internationale Bahnreisen können zur Kostenfalle werden. Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland berichtet von Fällen, in denen Reisende aufgrund von Zugausfällen oder Verspätungen hohe Zusatzkosten selbst tragen mussten. Grund ist oft, dass eine scheinbar durchgehende Buchung rechtlich aus mehreren Einzelverträgen besteht.
Rom: Nachtzug fällt aus – Familie strandet
Eine Familie aus Berlin buchte einen Nachtzug von Rom nach München. Stunden vor Abfahrt meldete die App: Zug ausgefallen. Vor Ort gab es keine konkrete Hilfe oder Alternativangebote. Die Nachtzüge der folgenden Tage waren ausgebucht, ein Bus kam wegen fehlender Kindersitze nicht infrage. Die Familie musste auf eigene Kosten Flüge nach Berlin buchen. Zurück in Deutschland begann der Streit um die Erstattung der zusätzlichen Ausgaben.
„Der Fall zeigt, worum es in der Beratung häufig geht“, sagt Jurist André Schulze-Wethmar vom EVZ Deutschland. „Wenn im Ausland ein Zug ausfällt, brauchen Reisende nicht nur abstrakte Rechte, sondern verlässliche Informationen und konkrete Hilfe. Viele gehen davon aus, dass diese Unterstützung automatisch kommt. In der Praxis erleben wir jedoch immer wieder, dass Betroffene zunächst selbst herausfinden müssen, wer zuständig ist.“
Paris: 550 Euro für verpassten Anschluss
Eine Verbraucherin kaufte über DB International eine Verbindung von Marseille über Paris nach Stuttgart. Als ihr Zug verspätet in Paris eintraf, verpassten sie und ihre Begleiterin den Anschluss. Das Personal der französischen Bahngesellschaft SNCF verweigerte ihnen die Nutzung des nächsten Zuges und verlangte neue Tickets für 550 Euro. Die beiden zahlten in der Annahme, das Geld später zurückzubekommen.
Eine Buchung, zwei Verträge
Obwohl die Reise in einer Bestellung gebucht wurde, stellte das System zwei Fahrkarten aus: eine der SNCF für Marseille–Paris und eine der Deutschen Bahn für Paris–Stuttgart. „Auf dem Bildschirm wirkt es wie eine einzige Reise. Durch das Erstellen mehrerer Fahrkarten werden daraus jedoch mehrere Verträge. Genau dort beginnen viele Probleme, die Verbraucher erst bemerken, wenn etwas schiefläuft“, erklärt Schulze-Wethmar.
Die EU-Kommission will dieses Problem nun angehen. Unter dem Motto „One journey, one ticket, full rights“ (eine Reise, ein Ticket, alle Rechte) sollen internationale Bahnreisen einfacher und verlässlicher werden. Ziel ist eine durchgehende Buchung mit einem Einzelticket und klaren Rechten für die gesamte Strecke. Bis neue Regeln greifen, gelten jedoch weiterhin die bestehenden Fahrgastrechte der Länder.



