Ohne Klimaanlage die Wohnung kühl zu halten, erfordert clevere Strategien. Das A und O ist, die Wärme gar nicht erst ins Innere zu lassen, sagt Ramona Ballod von der Verbraucherzentrale Thüringen. Sobald morgens die Sonne aufgeht, sollten Räume verschattet und Fenster geschlossen bleiben. Erst spätabends, wenn die Außentemperaturen gefallen sind, wird gelüftet – idealerweise über Nacht und mit Durchzug.
Richtige Lüftungsstrategie
Besonders Bewohner von Südseitenwohnungen oder Dachgeschossen leiden unter sommerlicher Hitze. Ballod empfiehlt, die Fenster den ganzen Tag geschlossen zu halten, auch wenn das schwerfällt. Regelmäßige Frischluft kann man mit einem Ventilator simulieren. Die Hitzewelle, die vom Südwesten anrollt, bringt laut Prognosen bis zu 40 Grad Celsius – ein extremer Test für jede Wohnung.
Wirksamer Sonnenschutz
Frank Lange, Geschäftsführer des Verbands Fenster und Fassade, betont: Außenliegender Sonnenschutz wie Markisen, Rollläden oder Raffstores erziele die besten Ergebnisse. Auch an den äußeren Rahmenprofilen angebrachte Produkte sind wirksam. Allerdings benötigen Mieter dafür die Zustimmung des Vermieters, da es sich um eine bauliche Veränderung handelt, erklärt Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Der Vermieter darf die Zustimmung nicht ohne Weiteres verweigern, aber einige Mieter scheuen den Gang zum Gericht. Als Alternative bleiben Innenrollos oder Vorhänge, die aber weniger effektiv sind, weil die Hitze bereits durch die Scheibe gelangt ist.
Sonnenschutzfolie: Vorsicht geboten
Ramona Ballod rät von Sonnenschutzfolie auf der Innenseite ab, da sie weniger wirksam ist. Noch problematischer: Außenfolien verdunkeln den Raum und können das Glas durch thermische Spannungen brechen lassen, warnt Frank Lange. Ohne Zustimmung des Vermieters ist beides oft nicht umsetzbar. Zudem ist im Winter weniger Licht und Wärme willkommen.
Feuchte Laken: Mit Hygrometer kontrollieren
Das Aufhängen nasser Bettlaken oder feuchter Wäsche bringt nur kurzfristig Kühlung. Rolf Bosse erklärt: Warme Luft speichert viel Wasser, und die Feuchtigkeit wird als unangenehm empfunden. Irgendwann ist die Kühlgrenze erreicht, und die Feuchtigkeit muss ausgelüftet werden, sonst droht Schimmel. Ein Hygrometer hilft, die Luftfeuchtigkeit zu überwachen und gegenzusteuern.
Grün für Kühlung
Pflanzen auf Balkon oder vor dem Fenster spenden Schatten und kühlen durch Verdunstung. Kletterpflanzen und Bäume fördern nachts die Bildung von Kaltluft, so Ballod. Auch Ventilatoren schaffen Abhilfe: Sie kühlen zwar nicht die Luft, aber sie bewegen sie, und bewegte Luft fühlt sich kühler an. Allerdings produzieren manche Elektrogeräte wie Fernseher, Computer oder Kühlschränke selbst Wärme – Stecker ziehen hilft.
Den Albedo-Effekt nutzen
Der Albedo-Effekt beschreibt, wie viel Sonnenstrahlung eine Oberfläche reflektiert. Helle Flächen wie weißer Schnee haben eine Albedo von 0,8 bis 0,9, während Asphalt nur 0,05 erreicht. Bei Neubauten kann man mit weißen Fassaden punkten. In bestehenden Wohnungen helfen reflektierende Materialien in hellen Farben bei Rollos oder Jalousien. Die Helmholtz-Klima-Plattform weist darauf hin, dass weiße Dächer Städte kühler machen könnten – ein Ansatz für die Zukunft.



