Nach der Ausstrahlung der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ am Mittwochabend hat die Polizei im Fall des Tötungsdelikts von Kunzach eine Welle von Hinweisen aus der Bevölkerung erhalten. Wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West am Donnerstag mitteilte, gingen bis zum Vormittag insgesamt 34 Hinweise ein. Die Beamten haben die Auswertung der Spuren übernommen und prüfen nun jedes Detail.
Hintergrund: Das Tötungsdelikt von Kunzach
Der ungeklärte Kriminalfall beschäftigt die Ermittler im Landkreis Unterallgäu schon seit Monaten. In Kunzach, einem Ortsteil der Stadt Mindelheim, war ein Mensch unter bislang ungeklärten Umständen zu Tode gekommen. Die Polizei hatte die Ermittlungen aufgenommen und eine Mordkommission eingerichtet. Über die genaue Todesursache und die Umstände der Tat wollten die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine Angaben machen. Auch mögliche Tatverdächtige wurden nicht öffentlich benannt. Die Ermittler gingen jedoch von einem Gewaltverbrechen aus.
Der Vorfall hatte sich in einem Wohngebiet ereignet. Anwohner hatten die Polizei alarmiert, nachdem sie in der Nacht laute Geräusche aus einer Nachbarschaft gehört hatten. Als die Beamten wenig später vor Ort eintrafen, fanden sie das Opfer. Trotz sofortiger Verständigung eines Notarztes konnte nicht mehr geholfen werden. Die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab und sicherte Spuren. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen, erste Zeugenbefragungen brachten jedoch keine heiße Spur.
Aktenzeichen XY: Fernsehfahndung nach Kunzach
In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ stellten die Fahnder den Fall am Mittwoch einem Millionenpublikum vor. Das Format verbindet seit Jahrzehnten Unterhaltung mit ernsten Fällen und zeigte unter anderem Aufnahmen vom Tatort sowie eine grafische Darstellung des Tathergangs. Die Zuschauer wurden dabei ausdrücklich um Mithilfe gebeten. Die Moderatorin und die Ermittler diskutierten das Fallbeispiel und gaben konkrete Hinweise, worauf die Öffentlichkeit achten sollte.
In der Sendung wurde der Fall ausführlich rekonstruiert. Ein Kriminalbeamter schilderte den Ablauf und die bisherigen Ermittlungsergebnisse. Dabei betonte er, dass die Bevölkerung eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielen könne. Die Polizei veröffentlichte auch eine Darstellung des mutmaßlichen Tathergangs, die Erinnerungen bei möglichen Zeugen wecken sollte.
Bereits während der Sendung liefen bei den Einsatzzentralen die ersten Telefonate auf. Wie die Polizei mitteilte, handelte es sich um Anrufe aus verschiedenen Regionen Bayerns und sogar aus anderen Bundesländern. Die Hinweisgeber berichteten über Beobachtungen, die sie in den Tagen vor oder nach der Tat gemacht hatten. Andere Anrufer wollten sich vergewissern, ob die Polizei bereits eine heiße Spur habe. Alle Anrufe wurden registriert und den zuständigen Beamten übertragen.
So arbeitet die Ermittlergruppe jetzt
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West werden alle eingegangenen 34 Hinweise in einer zentralen Datenbank erfasst. Anschließend gleichen die Ermittler die Informationen mit dem bereits gesicherten Beweismaterial ab. Die Ermittlergruppe wurde unterdessen personell aufgestockt: Arbeiten nun insgesamt zwölf Beamtinnen und Beamte an dem Fall, so waren es zuvor nur sechs. Die Ermittler erklärten, dass man jedem Hinweis nachgehe, egal wie unbedeutend er zunächst erscheinen möge.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Hinweisen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge betreffen. Diese werden mit den Angaben aus der Bevölkerung abgeglichen und gegebenenfalls überprüft. Auch mögliche Verstrickungen von Tatverdächtigen werden neu bewertet. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ist in die Bewertung eingebunden und prüft, ob sich aus einzelnen Hinweisen Anhaltspunkte für eine Straftat ergeben.
Die bisherigen Ermittlungen hatten bereits ein umfangreiches Spurenmaterial ergeben, das nun mit den neuen Hinweisen abgeglichen wird. DNA-Analysen und andere forensische Untersuchungen wurden in Auftrag gegeben. Allerdings war die Suche nach einem konkreten Tatverdächtigen bislang erfolglos. Die Fernsehfahndung war daher ein wichtiger Schritt, um neue Zeugen zu erreichen.
Polizei bittet weiterhin um Mithilfe
Trotz der vielen Hinweise betont die Polizei, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Weitere Zeugen können sich jederzeit beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West oder bei jeder anderen Polizeidienststelle melden. Auch online über die Internetwache der Bayerischen Polizei ist eine Kontaktaufnahme möglich. Die Beamten hoffen, dass die neu gewonnenen Spuren den Fall endlich zur Aufklärung bringen.
Der Sprecher der Polizei kündigte an, dass die Bevölkerung in den kommenden Tagen über den Fortgang des Verfahrens informiert werde. Er sagte, man sei zuversichtlich, dass der Fall mit der Unterstützung der Bevölkerung gelöst werden könne. Man werde aber keine Details nennen, die den Ermittlungserfolg gefährden könnten. Die Öffentlichkeit soll in die neuen Erkenntnisse erst dann eingeweiht werden, wenn sie abgesichert sind.



