In den vergangenen Tagen hat eine Hitzewelle weite Teile Bayerns erfasst. In Würzburg wurden 38,5 Grad gemessen, in Nürnberg 37,2 Grad, in München 36,1 Grad. Für viele Menschen ist die Schwüle eine Belastung – und die Werte sind alles andere als normal.
Ein aktueller Datenvergleich des Deutschen Wetterdienstes (DWD) macht das Ausmaß deutlich: Die Zahl der sogenannten heißen Tage, an denen die Temperatur auf mindestens 30 Grad steigt, hat sich in Bayern seit den 1960er Jahren etwa verdreifacht. Lag der Durchschnitt damals bei drei Tagen pro Jahr, sind es heute bereits neun bis zehn Tage. In Mainfranken und dem Alpenvorland verläuft der Anstieg noch stärker.
Wetterdaten belegen den Klimawandel
Der DWD wertet für diesen Vergleich eigene Messreihen aus, die bis ins Jahr 1881 zurückreichen. Das Ergebnis: Die fünf heißesten Sommer der bayerischen Messgeschichte stammen alle aus den letzten beiden Jahrzehnten. Auch die durchschnittliche Jahrestemperatur im Freistaat ist seit dem vorindustriellen Zeitalter um rund 1,5 Grad gestiegen.
„Ein einzelner heißer Sommer ist noch kein Beweis für eine langfristige Veränderung“, erklärte ein Sprecher des DWD gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Aber die statistische Häufung von Hitzewellen und die Verschiebung der Temperaturkurve lassen sich nicht mehr leugnen.“
Rekordwerte in Franken
Der absolute Hitzerekord in Bayern stammt vom 7. August 2015. Damals wurden in Kitzingen am Main 40,3 Grad im Schatten gemessen. Dieser Wert liegt nur knapp unter dem bundesweiten Rekord von 41,2 Grad, der 2019 in Duisburg registriert wurde. Meteorologen halten es für wahrscheinlich, dass die 40-Grad-Marke in Bayern künftig häufiger erreicht wird.
Klimamodelle des DWD projizieren für das Jahr 2050 eine Verdopplung der heißen Tage im Vergleich zu heute. Das würde bedeuten, dass in Unterfranken bis zu 20 Hitzetage pro Sommer auftreten – eine Entwicklung, die Mediziner und Städteplaner vor große Herausforderungen stellt.
Folgen für Gesundheit und Landwirtschaft
Die zunehmende Hitze hat konkrete Auswirkungen. Im Sommer 2023 verzeichneten bayerische Kliniken deutlich mehr Einweisungen wegen Hitzeerschöpfung. Das Bayerische Gesundheitsministerium hat daher einen Aktionsplan aufgelegt, der Pflegeheime, Kindergärten und Krankenhäuser unterstützt. Auch die Landwirtschaft spürt die Trockenheit: Vor allem in Franken sind die Ernteerträge bei Getreide und Mais stellenweise um ein Fünftel zurückgegangen.
Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb stärkere Anstrengungen beim Bewässerungsmanagement und beim Anbau hitzeresistenter Sorten. Der Wasserverbrauch in den Städten erreichte während der Hitzewellen die Rekordmarken.
Was Normalbürger tun können
Der DWD empfiehlt, sich auf solche Sommer einzustellen. Dazu gehören ausreichend Flüssigkeit, das Meiden der Mittagssonne und das Kühlen der Wohnung in den frühen Morgenstunden. Ältere Menschen sollten auf Warnungen des Hitzetelefons achten.
- Ausreichend Wasser trinken (mindestens 1,5 Liter pro Tag)
- Körperliche Anstrengung vermeiden
- Wohnung nachts lüften, tagsüber abdunkeln
- Nachbarschaftshilfe für Risikogruppen organisieren
Der Hitze-Vergleich zeigt also: Das Wetter in Bayern ist nicht mehr dasselbe wie in den 1950er Jahren. Die Sommer werden extremer, und die Statistik lässt daran keinen Zweifel. Es liegt an Politik und Gesellschaft, die Folgen zu mildern.



