Eine Woche nach dem islamistisch motivierten Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin lädt die queere Community zu einer Mahnwache ein. Der Landesverband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg (LSVD) und der Bundesverband haben für Sonntag, den 2. August, um 18 Uhr an den Ahornsteig im Großen Tiergarten gerufen – genau an den Ort, an dem der 21-jährige Attentäter am 25. Juli mit einem Auto in eine Menschengruppe gefahren war.
„Kommt mit uns zusammen. In Gedenken. In Solidarität. Für Menschlichkeit“, appellieren die beiden Verbände in einem gemeinsamen Aufruf. „Wir wollen der Opfer gedenken, den Betroffenen und ihren Angehörigen unsere Solidarität zeigen und als Community zusammenstehen. Hass und Gewalt dürfen niemals das letzte Wort haben.“
Ein Zeichen der Trauer am Tatort
Die Mahnwache ist bewusst am Ahornsteig angesiedelt, einem zentralen Weg im Großen Tiergarten, der in unmittelbarer Nähe der CSD-Fläche liegt. Die Veranstaltung ist öffentlich; alle Berlinerinnen und Berliner sind eingeladen, gemeinsam zu trauern und ein Zeichen gegen Hass zu setzen. Veranstalter und Teilnehmende wollen damit zugleich ihre Verbundenheit mit den Betroffenen des Anschlags ausdrücken.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat seine Teilnahme zugesagt. Er wird sich am Sonntagabend an den Ort des Geschehens begeben, um gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Verstorbenen zu gedenken. Die Anwesenheit des Regierungschefs unterstreicht, wie tief die Bestürzung über den Anschlag in der Berliner Politik ist.
Der Aufruf der Veranstalter richtet sich ausdrücklich nicht nur an die queere Community, sondern an alle Menschen in Berlin. Die Mahnwache solle ein Ort des gemeinsamen Innehaltens sein, so die Organisatoren, und ein sichtbares Bekenntnis zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft darstellen.
Der Anschlag vom 25. Juli
Bei dem Terroranschlag am Rande des CSD hatte der 21-jährige Attentäter mehrere Passanten im Tiergarten mit einem Auto angefahren. Danach stieg er aus dem Fahrzeug und griff weitere Menschen an – offenbar mit einer Machete. Eine Frau erlag ihren schweren Verletzungen, 31 Personen wurden verletzt, sieben davon schwer. Die Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot im Einsatz und versorgten die Opfer noch vor Ort.
Der flüchtige Täter wurde am darauffolgenden Sonntagabend von Polizisten in einer Kleingartenkolonie entdeckt. Als er die Beamten angriff, eröffneten sie das Feuer und erschossen den 21-Jährigen. Nach den bisherigen Ermittlungen geht die Polizei von einer islamistischen Tatmotivation aus. Die Untersuchungen zu den Hintergründen der Tat dauern an.
Solidarität und Zusammenhalt als Antwort
Der Anschlag hat in Berlin und darüber hinaus große Betroffenheit ausgelöst. Vor allem in der queeren Community ist die Anteilnahme riesig. Viele Berlinerinnen und Berliner haben in den Tagen nach der Tat Blumen und Kerzen abgelegt und so auf ihre Weise ihre Trauer ausgedrückt. Die Mahnwache am Sonntag bietet nun einen formellen Rahmen für das gemeinsame Gedenken.
Die Veranstalter bitten die Teilnehmenden, auf Parteiensymbole und politische Parolen zu verzichten, damit die Aufmerksamkeit ungeteilt den Opfern, ihren Familien und Freundinnen sowie Freunden gilt. Es gehe nicht um Demonstration, sondern um Trauer und menschliche Anteilnahme. Zugleich soll die Mahnwache ein starkes Signal nach außen senden: Die queere Community lässt sich durch Gewalt nicht einschüchtern.
Mit der Mahnwache am Ahornsteig wird der Ort des Anschlags für wenige Stunden zu einem stillen Ort der Erinnerung. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner schließt sich dem Gedenken an – gemeinsam mit allen, die ein Zeichen für eine tolerante und friedliche Hauptstadt setzen wollen.



