Der Hamburger Digitalmarketing-Experte Philipp Westermeyer (47) kritisiert, dass Unternehmen das Potenzial des vor der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals für Werbekampagnen kaum genutzt haben. „Aus Marketingsicht ist der Wal unterschätzt worden“, sagte der Gründer des Digital- und Marketingunternehmens OMR der Deutschen Presse-Agentur. Normalerweise reagierten bestimmte Mobilitätsfirmen schnell mit witzigen Kampagnen, diesmal aber nicht.
In den vergangenen Jahren sei eine Art eigene Marketing-Disziplin entstanden, bei der Firmen auf tagesaktuelles Geschehen mit einer eigenen Botschaft aufspringen. „Und das ist beim Wal erstaunlich wenig passiert. Ich glaube, alle haben unterschätzt, wie langlebig das Thema sein wird und was für eine Aufmerksamkeit es in der Breite am Ende bekommen hat“, so Westermeyer.
Außer den vielen Statements von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) habe er vergleichsweise wenige anknüpfende Memes oder Kampagnen gesehen. „Da hätte ich mir noch viel mehr erwartet, weil das Thema ja so absurd ist.“
Die Aufmerksamkeit genutzt hat dagegen die Meeresschutz-Organisation Sea Shepherd. Nach einer Idee einer Hamburger Agentur warb sie auf einem riesigen Bildschirm im Hamburger Hauptbahnhof – auch „The Whale“ genannt – 48 Stunden lang kostenlos um Spenden. Wenige Tage zuvor war der Wal bei Timmendorfer Strand erstmals in Küstennähe gestrandet.
Ein Sea-Shepherd-Sprecher ergänzte, es habe viele Kleinspenden über den QR-Code auf dem Bildschirm und auch neue Dauerspenden gegeben. Das Spendenaufkommen habe sich insgesamt allerdings nur leicht erhöht.



