Hessen startet mit großen Baustellen ins neue Schuljahr
Hessen: Große Baustellen zum Schulstart

Zum Start des neuen Schuljahres in Hessen am Montag bleiben die Herausforderungen im Bildungssystem groß. Besonders der Lehrermangel, der Sanierungsstau an Schulen und die schleppende Digitalisierung belasten den Schulalltag. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des hessischen Lehrerverbands hervor.

Lehrermangel bleibt das drängendste Problem

Die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen in Hessen ist weiterhin hoch. Laut Kultusministerium wurden zum Schuljahresbeginn rund 1.200 Stellen nicht besetzt. Besonders betroffen sind Grundschulen und Schulen in ländlichen Regionen. Der Lehrerverband fordert daher eine bessere Bezahlung und mehr Anreize für Quereinsteiger.

„Die Situation ist angespannt, viele Schulen müssen mit Vertretungslehrern und gekürzten Stundenplänen arbeiten“, sagt der Vorsitzende des hessischen Lehrerverbands, Stefan Wesselmann. Ohne schnelle Maßnahmen drohe die Qualität des Unterrichts weiter zu sinken.

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Marode Schulgebäude: Sanierungsstau von über einer Milliarde Euro

Neben dem Personalproblem kämpfen viele hessische Schulen mit baufälligen Gebäuden. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen landesweit Investitionen von über einer Milliarde Euro, um alle Schulen zu sanieren. In einigen Städten müssen Containerklassen aufgestellt werden, weil Räume nicht nutzbar sind.

Die Landesregierung hat zwar ein Sonderprogramm aufgelegt, doch die Mittel reichen nach Ansicht von Kommunen und Elternvertretern nicht aus. „Wir brauchen langfristige Finanzierungszusagen, nicht nur Strohfeuer“, kritisiert der Städte- und Gemeindebund.

Digitalisierung: Nachholbedarf bei Ausstattung und Netz

Auch bei der Digitalisierung hinkt Hessen hinterher. Viele Schulen verfügen noch nicht über flächendeckendes WLAN oder ausreichend digitale Endgeräte. Der Digitalpakt des Bundes läuft zwar, doch die Umsetzung in den Schulen dauert oft Jahre.

Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom nutzen nur 40 Prozent der hessischen Schüler regelmäßig digitale Lernmittel im Unterricht. Dabei wären gerade nach der Pandemie moderne Konzepte wichtig, um individuelles Lernen zu fördern.

Integration und Inklusion als Daueraufgabe

Herausforderungen bleiben auch bei der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und der Inklusion behinderter Schüler. Die Zahl der sogenannten Seiteneinsteiger, also Kinder ohne Deutschkenntnisse, ist in Hessen zuletzt gestiegen. Viele Schulen brauchen zusätzliche Sprachförderkurse und Sozialarbeiter.

Die Landesregierung verweist auf zusätzliche Mittel für Schulsozialarbeit und Sprachförderung. Doch die Schulen vor Ort berichten von überlasteten Kollegien und zu großen Klassen.

Ausblick: Mehr Investitionen gefordert

Bildungsexperten fordern von der Politik ein Umdenken. „Bildung ist die wichtigste Ressource für die Zukunft“, sagt der Bildungsökonom Dieter Dohmen. Hessen müsse deutlich mehr in Personal, Gebäude und Technik investieren, um im Ländervergleich nicht abgehängt zu werden.

Bis dahin bleibt der Schulalltag vielerorts geprägt von Improvisation und Belastung. Eltern hoffen, dass die Politik die Probleme ernst nimmt und nicht nur Sonntagsreden hält.

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