Bad Wörishofen – Die Stadt erhöht zum 1. Januar 2026 die Gebühren in allen städtischen Kindertageseinrichtungen. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Betroffen sind die Krippe, der Kindergarten, der Hort sowie die Ferienbetreuung. Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an einer neuen Gebührensatzung, die den Eltern rechtzeitig vor Beginn des neuen Betreuungsjahres im September vorgestellt werden soll.
Die Entscheidung betrifft viele Familien in Bad Wörishofen. In der Kurstadt gibt es ein breites Angebot an Kindertagesstätten, das von der Stadt, kirchlichen Trägern und freien Einrichtungen getragen wird. Die Stadt hat wiederholt betont, dass die Qualität der Betreuung oberste Priorität habe. Gleichzeitig seien die Betriebskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, was eine Anpassung der Elternbeiträge notwendig mache. Der Beschluss ist Teil der Haushaltsplanung der Stadt für das kommende Jahr.
Warum die Gebühren steigen
Die Stadtverwaltung nennt in ihrer Begründung vor allem die gestiegenen Personalkosten. Die Tarifabschlüsse für Erzieherinnen und Erzieher in den letzten Jahren haben die Lohnkosten in den Einrichtungen spürbar erhöht. Auch die Kosten für Energie, Verpflegung und Reinigung sind angestiegen, was die Träger belastet. Die staatlichen Zuschüsse seien nicht vollständig mitgewachsen, sodass ein Teil der Mehrkosten über die Elternbeiträge finanziert werden muss. Die Stadt hat diese Entwicklung bereits in den vergangenen Haushaltsreden thematisiert und auf die enge finanzielle Lage der Kommunen hingewiesen.
Nach Angaben der Stadtverwaltung ist der Anteil der Elternbeiträge an den Gesamtkosten der Kitas in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Das sei zwar einerseits ein Zeichen für eine sozialverträgliche Politik, führe aber andererseits zu einem steigenden städtischen Zuschuss. Die Erhöhung sei daher ein Schritt, um die finanzielle Last gerechter zu verteilen. Konkret orientieren sich die neuen Sätze an einer Anpassung der Empfehlungen des Bayerischen Städtetages, die eine Erhöhung der Beiträge um einen mittleren einstelligen Prozentsatz vorsehen.
Wie die neuen Beiträge aussehen
Die genauen Zahlen will die Stadt in den kommenden Wochen vorlegen. Zu erwarten ist, dass sich die Beiträge nach der gewohnten Systematik richten: Das Elterneinkommen, die Anzahl der betreuten Kinder in der Familie und die tägliche Betreuungszeit bleiben die wichtigsten Faktoren. In Bad Wörishofen galt bisher eine Staffel, die Familien mit niedrigem Einkommen stark entlastet. Diese Staffel soll beibehalten werden, allerdings mit höheren Sätzen in den einzelnen Stufen. Die Stadt verspricht, dass die neuen Tabellen für alle Eltern transparent darstellen, wie sich ihr Beitrag zusammensetzt.
Ein besonderes Augenmerk legt die Stadt auf Familien mit mehreren Kindern. Die Geschwisterermäßigung wird nicht angetastet. Sie sorgt dafür, dass das zweite Kind eine geringere Gebühr trägt. Zudem soll es weiterhin die Möglichkeit geben, in Härtefällen einen Antrag auf Ermäßigung oder Übernahme der Beiträge durch den Jugendhilfeträger zu stellen. Die Stadtverwaltung hat darauf hingewiesen, dass die Zahlungsmoral in den letzten Jahren gut gewesen sei, sie aber dennoch Anlaufstellen für Beratung anbieten wolle.
Krippe, Kindergarten, Hort und Ferienbetreuung
Die Erhöhung betrifft alle Betreuungsformen. Die Stadt weist darauf hin, dass die Gebührenstruktur je nach Art der Einrichtung unterschiedlich ist.
- Krippe: Die Betreuung von Kindern unter drei Jahren ist die kostenintensivste Betreuungsform. Deshalb sind die Gebühren hier am höchsten. Eine Erhöhung könnte hier besonders stark ausfallen, da der Personalbedarf pro Kind groß ist. In der Regel werden Krippenplätze von acht bis zwölf Stunden täglich angeboten.
- Kindergarten: Die Beiträge für Kindergartenkinder richten sich nach der wöchentlichen Betreuungszeit. Üblich sind hier Module von fünf, sechs oder sieben Stunden täglich. Der Besuch eines Kindergartens ist in Bayern für alle Kinder ab drei Jahren grundsätzlich beitragsfrei, jedoch kann für zusätzliche Betreuungszeiten über die Kernzeit hinaus eine Gebühr erhoben werden. Die Stadt erhebt Beiträge für die Verlängerung der Öffnungszeiten.
- Hort: Die Nachmittagsbetreuung für Schulkinder wird ebenfalls teurer. Die Gebühren hängen davon ab, ob der Hort bis 16 Uhr oder bis 17 Uhr betreut. Auch die Ferienbetreuung in den ersten Ferienwochen wird über den Hort abgerechnet.
- Ferienbetreuung: Die Stadt bietet in den Schulferien Betreuungsplätze für Grundschulkinder an. Die Tagessätze werden moderat angepasst. Die Ferienbetreuung ist oft separat zu buchen und kostet je nach Umfang und Verpflegung.
Reaktionen aus dem Stadtrat
In der Diskussion im Stadtrat waren die Meinungen geteilt. Vertreter der Mehrheitsfraktionen unterstützten den Kurs der Verwaltung und verwiesen auf die Notwendigkeit, die Einrichtungen langfristig zu sichern. Teile der Opposition brachten jedoch eine sozialpolitische Sorge vor: Für Geringverdiener könnte die Belastung trotz Staffelung weiter zunehmen. Man habe sich deshalb darauf verständigt, die unteren Einkommensgruppen nur geringfügig zu erhöhen. Dies wurde als Kompromiss bezeichnet, der in der Sitzung mit einer breiten Mehrheit angenommen wurde.
Einem Teil der Elternschaft geht die Erhöhung nicht weit genug, weil sie zusätzliche Qualitätsverbesserungen fordern. Andere sehen die Erhöhung kritisch, weil die Einkommen in der Region unter dem Landesdurchschnitt liegen. Der Bürgermeister warb für den Beschluss und betonte, dass die Stadt gemeinsam mit den Trägern an Lösungen arbeite, um einerseits die Tarifsteigerungen zu finanzieren und andererseits die Eltern nicht zu überfordern. Eine endgültige Bewertung wolle er den Betroffenen und den neuen Gremien überlassen.
Nächste Schritte
Nach dem Grundsatzbeschluss wird die Verwaltung nun die Details der neuen Gebührentabelle erstellen. Die endgültige Satzung soll in der nächsten regulären Sitzung des Stadtrats verabschiedet werden. Im Anschluss werden alle Eltern der betroffenen Kinder schriftlich informiert. Die Stadt bittet um Verständnis, dass die neue Tabelle erst nach der formalen Abstimmung veröffentlicht werden kann. Eltern, die ihre Kinder neu anmelden möchten, können dies weiterhin über das zentrale Anmeldeportal der Stadt tun.
Die Stadt weist ferner darauf hin, dass für das kommende Betreuungsjahr die Anmeldefristen bereits laufen. Eltern können ihre Kinder weiterhin in den städtischen oder den Einrichtungen anderer Träger anmelden. Die Höhe der Gebühren steht dabei nicht im Vordergrund, sondern das pädagogische Angebot. Informationen zu den Einrichtungen, Öffnungszeiten und dem Anmeldeverfahren sind auf den städtischen Seiten veröffentlicht. Die Stadt empfiehlt den Eltern, sich frühzeitig zu informieren, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.



