TU-Studenten kritisieren Gebäudeschließung: Existenzangst
TU-Studenten: Gebäudeschließung bedroht Existenz

Die Schließung eines zentralen Gebäudes der Technischen Universität Berlin sorgt bei Studierenden für erhebliche Unruhe. Seit mehr als sieben Wochen können Viviane Krüger und Max Wieland, die Geotechnologie studieren, ihr Labor und ihre Geräte nicht mehr nutzen. Für viele Kommilitonen gehe es um die Existenz, betonen sie. Die Situation erinnert sie an die schwierige Zeit der Corona-Pandemie, als Präsenzlehre weitgehend unmöglich war.

Neun Prozent der Uni-Bauten betroffen

Nach Informationen der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung sind aktuell neun Prozent aller staatlichen Berliner Universitätsgebäude nicht nutzbar. Das entspricht einer Fläche von rund 150.000 Quadratmetern. Die Gründe sind vielfältig: von baulichen Mängeln über Schadstoffbelastungen bis hin zu veralteter Technik. Besonders betroffen sind die TU Berlin und die Humboldt-Universität.

Für die Studierenden bedeutet das nicht nur eingeschränkte Lernbedingungen, sondern auch Verzögerungen im Studienverlauf. „Ohne Zugang zu den Laboren können wir keine Experimente durchführen, keine Daten sammeln und letztlich keine Abschlussarbeiten schreiben“, erklärt Max Wieland. Er und seine Kommilitonen fordern von der Politik klare Zusagen, wann die Gebäude saniert oder ersetzt werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auswirkungen auf den Studienalltag

Die Schließung hat konkrete Auswirkungen auf den Alltag der Studierenden. Viele müssen nun weite Wege zu Ausweichstandorten in Kauf nehmen, andere müssen auf Online-Lehre umsteigen. „Das ist eine Zumutung, die wir nicht länger hinnehmen wollen“, sagt Viviane Krüger. Sie verweist darauf, dass die TU Berlin eigentlich als Vorreiterin in der digitalen Lehre gelte, aber die physische Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß sei.

Die Studierendenvertretung der TU hat bereits eine Petition gestartet, die von mehr als 3.000 Personen unterzeichnet wurde. Darin wird gefordert, dass die Universität einen transparenten Sanierungsplan vorlegt und die Studierenden in die Entscheidungsprozesse einbezieht. Zudem soll es finanzielle Unterstützung für betroffene Studierende geben, etwa für zusätzliche Fahrtkosten.

Politischer Handlungsbedarf vor der Berlin-Wahl

Die Situation könnte im Vorfeld der Berlin-Wahl 2026 zu einem politischen Thema werden. Die SPD, die in Berlin den Regierenden Bürgermeister stellt, hat angekündigt, die Hochschulen stärker zu fördern. Die CDU fordert hingegen eine Prioritätenliste für Sanierungen. Die Grünen setzen auf nachhaltige Umbauten, während die Linke eine vollständige Offenlegung der Mängel verlangt.

Bislang hat sich der Senat zurückhaltend geäußert. Ein Sprecher der Wissenschaftsverwaltung erklärte, man arbeite an einem Masterplan für die Hochschulen, der bis Ende des Jahres vorgelegt werden soll. „Wir sind uns der Dringlichkeit bewusst und werden die Mittel in den kommenden Jahren deutlich erhöhen“, so der Sprecher. Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht.

Studierende fordern schnelle Lösungen

Für die Studierenden zählt jedoch jede Woche. „Wir können nicht auf einen Masterplan warten, der vielleicht in zwei Jahren kommt“, sagt Max Wieland. Er und seine Kommilitonen haben sich deshalb an die Präsidentin der TU Berlin gewandt und ein Treffen erbeten. Bislang gab es nur ein Online-Format, bei dem keine konkreten Zusagen gemacht wurden.

Die Lage ist symptomatisch für den Sanierungsstau an deutschen Hochschulen. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) liegt der Investitionsbedarf bundesweit bei über 50 Milliarden Euro. Berlin steht dabei mit einem Anteil von rund 8 Milliarden Euro besonders im Fokus.

Bis zur Wahl im Herbst 2026 wollen die Studierenden ihre Forderungen weiter öffentlich machen. Geplant sind Aktionen vor dem Roten Rathaus und eine Informationskampagne in den sozialen Medien. „Wir lassen nicht locker, bis sich etwas bewegt“, betont Viviane Krüger. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik die Sorgen der Studierenden ernst nimmt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration