Der Gemeinderat von Diessen am Ammersee hat in seiner jüngsten Sitzung die Weichen für die beiden Bauvorhaben Hofmark und Herrenstraße gestellt. Die Bauleitplanung wurde mit großer Mehrheit angenommen, womit die Projekte eine wichtige Hürde genommen haben.
Das Gremium behandelte die beiden Bebauungsplan-Entwürfe zusammen, da sie inhaltlich eng verzahnt sind. Beide Areale liegen im Siedlungsbereich der Marktgemeinde und sollen zur Deckung des lokalen Wohnbedarfs beitragen. Nach Angaben aus dem Rathaus ist die Nachfrage nach Bauplätzen in der Ammersee-Region ungebrochen groß.
Die Marktgemeinde zählt rund 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner. In den vergangenen Jahren sind nur wenige neue Baugebiete ausgewiesen worden, was die Preise für Grundstücke und Immobilien steigen ließ. Mit den neuen Bauvorhaben will die Gemeinde gegensteuern und vor allem Einheimischen die Möglichkeit geben, ortsnah zu bauen. Der Zuzug in die Region um den Ammersee ist ungebremst. Die Nähe zu München macht die Gegend für Pendler attraktiv, gleichzeitig schätzen viele Menschen die naturnahe Lage am See. Das sorgt für anhaltend hohe Immobilienpreise.
Was ist geplant?
Für das Gebiet Hofmark ist überwiegend Wohnbebauung vorgesehen. Geplant sind Einzel- und Doppelhäuser, die sich in die dörfliche Umgebung einfügen sollen. An der Herrenstraße ist eine gemischte Nutzung vorgesehen: Neben Wohngebäuden sollen dort auch kleine Gewerbeeinheiten entstehen, etwa für Handwerksbetriebe oder Büros. Dadurch sollen Arbeitsplätze im Ort entstehen und die Nahversorgung gestärkt werden.
Die konkreten Grundstückszuschnitte stehen noch nicht fest. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Entwürfe weiter auszuarbeiten und die Ergebnisse in einer der nächsten Sitzungen vorzulegen. Auch die Frage, ob ein Teil der Flächen für geförderten Wohnbau verwendet wird, ist noch offen.
Bedeutung für die Gemeindeentwicklung
Die beiden Baugebiete sind ein zentraler Baustein der langfristigen Siedlungsentwicklung von Diessen. Die Gemeinde wächst, und der Bedarf an Wohnraum ist groß. Durch die Ausweisung neuer Bauflächen will die Kommune sicherstellen, dass auch jüngere Familien eine Perspektive im Ort haben. Gleichzeitig soll die Infrastruktur – von Kindergärten bis zur ärztlichen Versorgung – gestärkt werden.
Auch die wirtschaftliche Seite spielt eine Rolle. Mit den Gewerbeeinheiten an der Herrenstraße können sich Unternehmen ansiedeln, was zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen in die Gemeindekasse spült. Langfristig profitiert die gesamte Gemeinde von einer stabilen Finanzbasis. Zudem schafft die Bautätigkeit selbst lokale Arbeitsplätze im Handwerk und in der Bauwirtschaft.
Diskussion und Kritik
Die Entscheidung fiel nicht einstimmig. Mehrere Gemeinderäte äußerten Bedenken, vor allem hinsichtlich der Verkehrssituation und der Umweltauswirkungen. Insbesondere die zusätzliche Belastung der Ortsstraßen durch den Baustellenverkehr wurde thematisiert. Auch der Verlust von landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde kritisch gesehen.
Die Befürworter argumentierten, dass die Abwägung aller Interessen bereits in der Planung berücksichtigt worden sei. Man könne nicht endlos warten, da die Notwendigkeit von Wohnraum für die Bevölkerung drängend sei. Am Ende stimmte eine deutliche Mehrheit für die Vorlage. Die Verwaltung sicherte zu, die offenen Punkte in der weiteren Planung zu berücksichtigen.
Wie es weitergeht
In den kommenden Wochen werden die Bürgerinnen und Bürger in die Planung einbezogen. Die Pläne werden öffentlich ausgelegt, sodass Anregungen und Bedenken vorgebracht werden können. Anschließend werden die Entwürfe überarbeitet und erneut beraten.
Die Gemeinde hofft, das Verfahren bis zum Frühjahr nächsten Jahres abzuschließen. Danach kann die Erschließung beginnen, und die ersten Bauplätze können vergeben werden. Interessenten sollten sich frühzeitig bei der Gemeindeverwaltung über die Vergabekriterien informieren. Voraussichtlich werden die Grundstücke nach einem Punktevergabeverfahren an Familien aus der Gemeinde vergeben. Parallel werden verschiedene Gutachten erstellt, unter anderem zu Lärmschutz und Wasserversorgung. Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, können die Bauarbeiten ausgeschrieben werden.
Mit der Entwicklung von Hofmark und Herrenstraße setzt Diessen ein Zeichen: Die Gemeinde will wachsen und zugleich die Lebensqualität erhalten. Die Umsetzung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, doch die Richtung ist klar.



