Akzeptanz der Energiewende schwindet
Die Stimmung unter den Thüringer Unternehmen in Bezug auf die Klimaziele hat sich deutlich eingetrübt. Laut einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) sehen viele Betriebe ihre selbstgesteckten Klimaziele in Gefahr. Eine Mehrheit der Befragten zeigte sich skeptisch, ob die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 überhaupt erreicht werden kann. Dies gab die IHK Erfurt am Montag bekannt.
Als Hauptgründe für die zunehmende Skepsis nannten die Unternehmen die hohen Energiepreise, die erhebliche finanzielle Belastungen darstellen. Hinzu kommen eine fehlende Verlässlichkeit der Energiepolitik sowie umfangreiche bürokratische Hürden. An der bundesweiten IHK-Umfrage beteiligten sich 130 Thüringer Betriebe aller Branchen und Größenklassen.
Drastischer Rückgang der Unterstützung
Im Vorjahr hatten noch 87 Prozent der befragten Thüringer Unternehmen das Ziel unterstützt, den eigenen Betrieb bis spätestens 2045 klimaneutral aufzustellen. Nun, trotz der Verschiebung des Ziels auf das Jahr 2050, teilen nur noch 38,2 Prozent der Betriebe dieses Vorhaben. Dies bedeutet einen Einbruch um fast 50 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres.
„Die Energiewende verliert an Akzeptanz, wenn sie für die Unternehmen vor allem steigende Kosten, zusätzliche Vorgaben und unsichere Investitionsbedingungen bedeutet“, erklärte IHK-Präsident Peter Zaiß. Er forderte erneut, die nationale CO₂-Bepreisung auf Wärme und Verkehr auszusetzen, um die Betriebe zu entlasten.
Wettbewerbsnachteile und Investitionsstau
Die wirtschaftlichen Folgen der hohen Energiepreise sind bereits spürbar. Fast die Hälfte der befragten Thüringer Betriebe (47 Prozent) erwartet durch die Energiepreise Nachteile für die eigene Wettbewerbsfähigkeit – im Jahr 2025 waren es noch 39 Prozent. Jedes dritte Unternehmen plant zudem, geplante Investitionen zurückzustellen. Dies könnte langfristig die Modernisierung der Betriebe und die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen verzögern.
Die IHK fordert daher nicht nur eine Aussetzung der CO₂-Bepreisung, sondern auch eine verlässlichere und planbarere Energiepolitik. Nur so könnten Unternehmen das Vertrauen in die Energiewende zurückgewinnen und die notwendigen Investitionen für eine klimaneutrale Zukunft tätigen.



