Die Stadt München verschärft die Regeln für Influencer und Content Creator auf dem Oktoberfest. Ab 2026 sind Livestreams vom Festgelände verboten, öffentliche Filmaufnahmen erfordern eine Genehmigung. Das gab die Pressestelle der Stadt bekannt. Begründet wird der Schritt mit dem Schutz der Besucher: „Influencer*innen ist es untersagt, die Besucher*innen in ihrem Aufenthalt zu stören“, heißt es in der Mitteilung. Die neuen Regelungen zielen darauf ab, das unbeschwerte Feiern zu ermöglichen, ohne dass Gäste ungefragt in Livestreams erscheinen.
Hintergrund der Entscheidung
Bereits in den vergangenen Jahren hatten bekannte Streamer wie Max Schradin (48) und Zarbex (28) auf Twitch und anderen Plattformen das Treiben auf der Wiesn live übertragen und dabei zeitweise über 30.000 Zuschauer gleichzeitig erreicht. Die Stadt München beobachtete, dass diese Livestreams große Menschenmengen anzogen, was zu zusätzlicher Enge auf dem Festgelände führte. Christian Scharpf (54), Referent für Arbeit und Wirtschaft der Stadt und Oktoberfest-Chef, der seit Ende Juni den Aufbau überwacht, steht hinter der Entscheidung. Der persönliche Freiraum der Besucher müsse geschützt werden.
Gemischte Reaktionen in der Online-Community
Im Internet fallen die Reaktionen auf das Verbot unterschiedlich aus. Während einige Nutzer die Maßnahme mit Kommentaren wie „Richtig so!“ oder „Perfekt“ begrüßen, kritisieren andere sie als überzogen. Befürworter des Livestreams argumentieren, dass die Übertragungen vielen Menschen, die nicht persönlich anreisen können, die Möglichkeit bieten, das Fest von zu Hause mitzuerleben. „Die Streams schaffen Nähe zum Oktoberfest für Fans weltweit“, schrieb ein Nutzer auf Twitter.
Livestreams als Ermittlungshilfe
Ein Aspekt, der in der Debatte oft übersehen wird, ist der Nutzen von Livestreams bei der Aufklärung von Straftaten. Der Fall der Streamerin Kunshikitty (30) im vergangenen Jahr zeigt, dass Aufnahmen aus Livestreams der Polizei als Beweismittel dienen können. Kunshikitty wurde während eines Livestreams auf dem Oktoberfest bedrängt; die Übertragung half später den Ermittlern. Auf der Wiesn registrierte die Polizei im Jahr 2025 insgesamt 236 Körperverletzungen und 72 Sexualdelikte. Der Fall verdeutlicht, dass Livestreams in manchen Situationen wertvolle Beweise liefern können.
Ausbau der Videoüberwachung trotz Livestream-Verbot
Parallel zum Livestream-Verbot plant die Stadt München, die Videoüberwachung auf dem Oktoberfest weiter auszubauen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sollen zusätzliche Kameras installiert werden, um die Sicherheit zu erhöhen und kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Die Stadt betont, dass die Überwachung ausschließlich polizeilichen Zwecken dient und nicht mit den privaten Livestreams von Influencern vergleichbar sei. Die Diskussion um Kameras auf der Wiesn bleibt damit kontrovers – zwischen Datenschutz, Sicherheit und der Tradition des Festes.



