In mehreren Städten und Landkreisen Niedersachsens müssen Fahrgäste tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Taxifahrten steigen vielerorts zum Teil deutlich an. So haben beispielsweise die Landkreise Gifhorn, Nienburg, die Städte Lüneburg und Oldenburg sowie die Landkreise Hameln-Pyrmont und Diepholz ihre Tarife erhöht. In Göttingen wird ab November der Grundpreis um 1,30 Euro auf 5,80 Euro angehoben, der Kilometerpreis für die ersten drei Kilometer steigt um 70 Cent auf 3,80 Euro. Im Landkreis Schaumburg fallen die Erhöhungen mit je 20 Cent moderater aus.
Warum die Preise steigen
Hauptgrund für die Preisanstiege ist nach Angaben der Städte und Kreise die Erhöhung des Mindestlohns. Zum Januar 2025 wurde dieser auf 13,90 Euro angehoben, bis 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen. Lohnkosten machen laut der Stadt Wolfsburg mitunter rund 65 Prozent der Kosten von Taxiunternehmen aus. Hinzu kommen gestiegene Benzinpreise und die allgemeine Inflation, die die Betriebskosten weiter in die Höhe treiben.
Wirtschaftliche Lage der Branche
Der Branchenverband GVN hatte im März 2025 gewarnt, dass das Taxi- und Mietwagengewerbe in Niedersachsen kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Aus dem Landkreis Cloppenburg heißt es, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen ihre Genehmigung aus wirtschaftlichen Gründen abgegeben hätten. Der Landkreis Göttingen teilte mit, dass vor allem Nachtfahrten unter der Woche nicht kostendeckend möglich seien. Andernorts ist die Lage weniger dramatisch: In den Landkreisen Harburg, Verden und Wittmund sowie der Stadt Wilhelmshaven ist die Zahl der Unternehmen stabil oder steigt leicht. Der Landkreis Leer betont, es gebe keinen Taxi-Engpass.
Nachfrage und Alternativen
Die Nachfrage nach Taxifahrten ist in einigen Regionen rückläufig. Die Stadt Emden meldet sinkende Fahrgastzahlen. Der Landkreis Rotenburg (Wümme) führt dies auf die gestiegenen Tarife und ein verändertes Ausgehverhalten seit der Corona-Pandemie zurück. Im Landkreis Diepholz gibt es einen Rückgang bei regulären Fahrten, jedoch einen Anstieg bei Sonderfahrten wie Krankentransporten. Als Alternative zu klassischen Taxis gewinnen Dienste wie Uber, Bolt oder Minicars an Bedeutung. Diese sind rechtlich als Mietwagen eingestuft, dürfen nicht an Taxiständen halten und sind nicht tarifgebunden, bieten aber oft günstigere Preise. Auch On-Demand-Angebote des öffentlichen Nahverkehrs, etwa Sprinti in der Region Hannover oder Flexo in Braunschweig, sind eine Option – zur Mitfahrt genügt ein Nahverkehrs- oder Deutschlandticket.
Wer bestimmt die Preise?
Anders als Mietwagen unterliegen Taxis dem Personenbeförderungsgesetz und müssen jede Fahrt annehmen. Die Preise legen die Städte und Landkreise fest, meist auf Antrag des Branchenverbandes GVN. Eine Ausnahme bilden Krankenfahrten, für die Krankenkassen separate Vereinbarungen treffen, die sich jedoch häufig an den Taxitarifen orientieren. Aktuell prüft das niedersächsische Verkehrsministerium gemeinsam mit Branchenvertretern die Einführung eines landesweiten Taxitarifs. Ziel ist es, Bürokratie abzubauen und mehr Transparenz zu schaffen. Knifflig sei dabei, die unterschiedlichen Anforderungen großer Städte und ländlicher Regionen unter einen Hut zu bekommen. Ob der landesweite Tarif kommt, ist noch offen.



