Nach dem schweren Erdbeben in der südwestjapanischen Präfektur Kumamoto ist die offizielle Opferzahl auf 28 gestiegen. Regierungssprecher Minoru Kihara bestätigte am Donnerstag (Ortszeit) in Tokio, dass die Zahl der Toten weiter zunimmt. Dutzende Menschen erlitten Verletzungen, zahlreiche Gebäude und Straßen wurden zerstört oder schwer beschädigt.
Rettungskräfte suchen in Trümmern nach Vermissten
Im besonders betroffenen Gebiet von Kashima konzentrieren sich die Rettungsarbeiten auf die Überreste eines teilweise eingestürzten Einkaufszentrums. Hier werden noch mehrere Menschen vermisst. Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde von Kumamoto erklärte: „Wir haben bisher zehn Menschen herausholen können. Vier von ihnen waren definitiv tot, einer zeigte keine sichtbaren Lebenszeichen.“ Die anderen fünf Überlebenden erlitten schwere bis leichte Verletzungen.
Die Explosion, die den Einsturz des Gebäudes verursachte, wird laut ersten Ermittlungen auf ein Gasleck zurückgeführt. Der japanische Sender NHK zeigte Aufnahmen eines Autofahrers, die den Moment der Detonation festhielten, bei dem Decken und Wände einbrachen und das Stahlgerüst freigelegt wurde. Glücklicherweise waren die meisten Menschen zu diesem Zeitpunkt bereits aufgrund des vorherigen Bebens evakuiert, so der Betreiber.
Starkes Beben und Nachbeben erschüttern Kyushu
Das Erdbeben ereignete sich am Dienstagnachmittag (Ortszeit) und erreichte nach japanischen Angaben eine Stärke von 7,1, während die US-Erdbebenwarte USGS die Stärke mit 6,8 angab. Mehrere teils starke Nachbeben folgten und versetzten die Bevölkerung in Angst. Kurzzeitig gaben die Behörden eine Tsunami-Warnung heraus, die jedoch später wieder aufgehoben wurde.
Die Region Kumamoto ist keine Unbekannte in Bezug auf schwere Erdbeben. Bereits vor zehn Jahren ereignete sich dort ein Beben der Stärke 7,3, bei dem dutzende Menschen ums Leben kamen und zehntausende in Notunterkünften untergebracht werden mussten. Die historische Burg von Kumamoto, ein bedeutendes kulturelles Wahrzeichen, wurde damals schwer beschädigt und auch diesmal erlitt die Steinmauer des rekonstruierten Bauwerks Schäden.
Hilfsmaßnahmen laufen auf Hochtouren
Hunderte Rettungskräfte sind weiterhin im Einsatz, um die Suche nach möglichen Überlebenden fortzusetzen. Die japanische Regierung hat zusätzliche Einheiten des Katastrophenschutzes entsandt. Anwohner in den betroffenen Gebieten werden aufgefordert, vorsichtig zu sein und sich von einsturzgefährdeten Gebäuden fernzuhalten. Die Behörden warnen zudem vor weiteren Nachbeben, die die Rettungsarbeiten erschweren könnten.
Japan liegt in einer der tektonisch aktivsten Zonen der Erde und wird regelmäßig von Erdbeben heimgesucht. Die strengen Bauvorschriften und das ausgefeilte Frühwarnsystem haben in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, die Opferzahlen zu begrenzen, doch die jüngste Katastrophe zeigt erneut die verheerende Kraft der Natur.



